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Biontech & Co.: Schwere Nebenwirkungen häufiger als angenommen

Laut einer neuen Corona-Studie haben acht von 1000 Geimpften schwere Nebenwirkungen. Forscher fordern bessere ärztliche Betreuung.


Berlin.

  • Sind schwere Nebenwirkungen nach einer Corona-Impfung häufiger als angenommen?

  • Laut einer neuen Studie scheint dies bei Impfstoffen wie Biontech, Moderna und Co. der Fall zu sein

  • Das müssen Sie dazu jetzt wissen

In Deutschland sind bislang fast 180 Millionen Impfdosen im Kampf gegen das Corona-Virus verabreicht worden – in den allermeisten Fällen klagten Geimpfte allenfalls über kurzfristige Impfreaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle oder erhöhte Temperatur, nicht aber über anhaltende Nebenwirkungen. Eine Studie der Charité zeigt jetzt: Die Zahl der schweren Nebenwirkungen liegt in der Praxis immerhin deutlich höher als die offiziellen Meldezahlen. Studienleiter Harald Matthes sagte dem MDR, dass etwa 0,8 Prozent der Geimpften über schwere Nebenwirkungen klagten – das sind deutlich mehr als die schweren Verdachtsfälle, die dem zuständigen Bundesinstitut bislang gemeldet wurden. Matthes fordert nun Anlaufstellen für Betroffene. Morgenpost von Christine Richter Bestellen Sie hier kostenlos den täglichen Newsletter der Chefredakteurin E

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Corona-Langzeitstudie stellt gezielte Fragen

Auf staatlicher Seite erfasst und bewertet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die in Deutschland gemeldeten Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung gegen Covid-19. Der aktuelle Sicherheitsbericht des PEI deckt den Zeitraum von Ende Dezember 2020 bis März 2022 ab.



Falls die Grafik nicht dargestellt wird, klicken Sie hier: Weitere aktuelle Zahlen im Coronavirus-Monitor



In diesem Zeitraum wurden dem PEI 296.233 Meldungen von Verdachtsfällen auf Nebenwirkungen übermittelt. Die Melderate für alle Impfstoffe zusammen betrage 1,7 Meldungen pro 1.000 Impfdosen, für schwerwiegende Reaktionen 0,2 Meldungen pro 1000 Impfdosen, teilte das PEI am Mittwoch (4. April) mit.


Die Charité-Langzeitstudie zur Sicherheit von Covid-19-Impfstoffen (kurz „ImpfSurv“) untersucht ebenfalls die Wirkungen und Nebenwirkungen der verschiedenen Vakzine. Anders als beim PEI werden hier nicht Meldungen ausgewertet, sondern gezielt Fragen gestellt: Deutschlandweit werden dazu über 40.000 geimpfte Personen in regelmäßigen Abständen befragt. Studienleiter Matthes erklärte nun, dass acht von 1000 Geimpften demnach mit schweren Nebenwirkungen zu kämpfen hätten.



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Corona: Forschende suchen nach Universal-Impfstoff

Nebenwirkungen von Biontech und Co. - Studie hat weite Definition von Impf-Nebenwirkungen

Wichtig ist dabei die Definition: Die Charité-Studie versteht unter schweren Nebenwirkungen sämtliche Komplikationen, die eine medizinische Behandlung notwendig machen. Als Beispiele nannte Matthes neurologische Störungen wie


Nervenlähmungen,

Muskel- und Kopfschmerzen,

Herz-Kreislaufprobleme oder

Herzmuskelentzündungen

80 Prozent, so der Charité-Forscher, seien nach drei bis sechs Monaten wieder ausgeheilt. „Aber es gibt leider auch welche, die deutlich länger anhalten“, so der Forscher. Die Charité teilte auf Anfrage mit, dass die Studie bisher noch nicht abgeschlossen sei.


Matthes will die Studienergebnisse ausdrücklich nicht als Kritik an der Corona-Impfung verstanden wissen: „Die Impfung ist sinnvoll, aber sie hat wie andere Impfungen auch ihre Nebenwirkungen.“ Wie sinnvoll eine Impfung sei, zeige sich etwa bei jungen Männern: Hier sei das Risiko, eine Herzmuskelentzündung zu bekommen, bei einer Covid-Erkrankung deutlich höher als bei einer Corona-Schutzimpfung.


Menschen mit Impf-Nebenwirkungen werden von vielen Ärzten derzeit noch abgelehnt.

Menschen mit Impf-Nebenwirkungen werden von vielen Ärzten derzeit noch abgelehnt.

Foto: dpa

Grundsätzlich seien die Ergebnisse seiner Studie mit Blick auf schwere Nebenwirkungen auch nicht überraschend, so Matthes. Sie entsprächen dem, was man aus anderen Ländern, wie Schweden, Israel oder Kanada kenne. Bei herkömmlichen Impfstoffen, wie etwa gegen Polio oder Masern, sei die Zahl schwerer Nebenwirkungen allerdings deutlich geringer. Aber: Die Corona-Impfstoffe sollten eine starke Immunreaktion auslösen – „das bedeutet eben auch, dass das Immunsystem aus dem Tritt kommen kann.“


Noch keine Behandlungen für Menschen mit Impf-Nebenwirkungen

Das große Problem sei aktuell vor allem die Behandlung dieser Nebenwirkungen: Teilnehmer der Charite-Studie beklagten laut Matthes, dass sie wegen ihrer Beschwerden verschiedene Ärzte aufgesucht hätten, aber häufig abgelehnt worden seien. „Wir brauchen genauso wie für das Long-Covid-Syndrom jetzt auch Post-Vakzinations-Ambulanzen“, forderte Matthes.


Es müsse Anlaufstellen für Menschen mit Impfnebenwirkungen geben, wo nach spezifischen Therapien für die Betroffenen gesucht werde. „Mir geht es darum, die Ärzteschaft zu sensibilisieren.“ Neurologen, Internisten, Immunologen müssten hier stärker eingebunden werden. Mit den Krankenkassen sollten zudem Therapiestandards vereinbart werden – ebenfalls nach dem Vorbild der Long-Covid-Therapien.


Nebenwirkungen nach Impfung mit Biontech und Co.: Erster Ansprechpartner für Betroffene

Die deutschen Hausärzte reagierten ablehnend auf die Forderungen: Die Idee, dass durch die Etablierung von Ambulanzen die Versorgung dieser Menschen in irgendeiner Weise verbessert werde, sei fernab jeder Versorgungsrealität. „Das wird sicherlich nicht helfen, die sehr wenigen Fälle schwerer Impfnebenwirkungen frühzeitig zu identifizieren“, sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, dieser Redaktion.


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Sollte es sich tatsächlich um einen Fall von schweren Impfnebenwirkungen handeln, stünden die etablierten ambulanten und stationären Strukturen zur Verfügung. „Welche Rolle dabei spezialisierte Ambulanzen einnehmen sollen, erschließt sich beim besten Willen nicht. Die Versorgung wird nicht besser, wenn man sie immer weiter zersplittert“, so Weigeldt.


Erster Ansprechpartner für Betroffene von Impfnebenwirkungen sollte die Hausärztin oder der Hausarzt sein. „Sie kennen ihre Patientinnen und Patienten in der Regel schon lange und können die Symptome auch vor dem Hintergrund möglicher anderer Erkrankungen am besten einschätzen, anstatt die Symptome nur isoliert zu betrachten.“


Patienten, die über anhaltende Nebenwirkungen nach einer Corona-Impfung klagen, können diese unter www.nebenwirkungen.bund.de melden.


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quelle: morgenpost.de


 
 
 

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