"Das ist durch nichts zu rechtfertigen"
- tim-news

- 30. Juni 2023
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Feuer und Explosionsgefahr in einer Elektrizitätszentrale in Nanterre, ein angegriffenes Polizeikommissariat in Trappes, eine völlig ausgebrannte Straßenbahn in Clamart, mit Pumpguns abgeschossene Videokameras, ein brennender Kindergarten, Feuer in Rathäusern, angezündete Mülltonnen im Pariser Umland - dort waren die Ausschreitungen in der vergangenen Nacht besonders gewalttätig. Die Wut über den tödlichen Polizeieinsatz gegen den 17-jährigen Nahel brach sich in ganz Frankreich Bahn. Lille, Roubaix, Amiens, Dijon, Nice oder Toulouse - mehr als 20 Städte in ganz Frankreich waren betroffen. Player: videoIn Frankreich ist es nach tödlichem Polizeischuss auf Jugendlichen erneut zu gewaltsamen Protesten gekommen Nach tödlichem Polizeischuss Erneut Ausschreitungen in Frankreich Nach dem tödlichen Schuss eines Polizisten auf einen 17-Jährigen kommt Frankreich nicht zur Ruhe. Macron ruft zu Ruhe und Andacht auf Frankreichs Präsident Emmanuel Macron begab sich am Morgen vom Elysée-Palast ein paar Meter weiter ins Innenministerium und eröffnete dort einen Krisenstab. Die Mutter des getöteten 17-Jährigen hat zu einem Gedenkmarsch in Weiß aufgerufen. Die vergangenen Stunden seien geprägt gewesen "von Szenen der Gewalt gegen Kommissariate, aber auch gegen Schulen und Rathäuser, also gegen Institutionen und die Republik". Player: videoProteste in Frankreich nach tödlichem Polizeischuss auf Jugendlichen dauern an Proteste in Frankreich nach tödlichem Polizeischuss auf Jugendlichen dauern an Der französische Innenminister Gérald Darmanin kündigte eine "entschlossene" Reaktion des Staates auf die Ausschreitungen an. In der kommenden Nacht sollen demnach in ganz Frankreich 40.000 Polizeibeamte eingesetzt werden - mehr als vier Mal so viele wie in der vergangenen Nacht. Gegen den Polizisten, der den tödlichen Schuss auf den 17-Jährigen abgegeben haben soll, wurde ein förmliches Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Totschlag eingeleitet, wie die Staatsanwaltschaft in Nanterre mitteilte. Staatsanwalt Pascal Prache erklärte, die Autopsie habe als Todesursache "einen einzigen Schuss bestätigt" - durch den linken Arm in den Brustkorb. Bei der Durchsuchung des Autos seien keine gefährlichen Objekte oder Drogen gefunden worden. Der Tathergang habe sich auf Basis von Aufnahmen von Überwachungskameras, Amateurvideos und Zeugenaussagen rekonstruieren lassen. Derzeit gingen die Ermittler davon aus, dass die rechtlichen Voraussetzungen für den Gebrauch der Schusswaffe nicht gegeben gewesen seien. Der 38-jährige Polizist hatte angegeben, er habe sich in Gefahr befunden, auch durch das Anfahren des Autos des 17-Jährigen. Schon am Mittwoch hatte Premierministerin Élisabeth Borne sich deshalb, ohne die Ermittlungen abzuwarten, recht eindeutig geäußert: "Die schockierenden Bilder zeigen einen Einsatz, der offensichtlich nicht regelkonform für unsere Ordnungskräfte zu sein scheint." Player: videoGewaltsame Ausschreitungen in Frankreich nach Todes eines Jugendlichen durch einen Polizisten Präsident Macron hat die tödlichen Schüsse verurteilt und bat nach den Krawallen um Ruhe. In einem Rugby-Club, der für die soziale Integration arbeitet, hat er Sport getrieben. Mehr als je zuvor müssen wir uns dafür einsetzen, ein Minimum an Hoffnung zurückzugeben und wieder an die Gleichheit in der Republik zu glauben." Auch Fußballer Kylian Mbappé oder der Schauspieler Omar Sy äußerten sich betroffen über den Tod des Jugendlichen durch Polizeigewalt. Sie hatte getwittert: "Ein Bravo für die Kollegen, die das Feuer eröffnet haben auf einen jungen Kriminellen von 17 Jahren. In dem sie sein Auto neutralisierten, haben sie ihr Leben und das anderer Nutzer der Straße geschützt." Innenminister Darmanin prüft nun ein Verbot der Gruppierung und bezeichnet sie als nicht repräsentativ. Frankreich schlittert nach den Rentenprotesten in eine neue Phase sozialer Unruhe.

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