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Deutschland schickt Leopard-Panzer in die Ukraine

Die USA wollen, dass Deutschland Leopard 2 an die Ukraine liefert. Aber eigene Panzer sind in Washington tabu. Die Gründe überzeugen nicht.

Bundeskanzler Olaf Scholz wird scharf kritisiert: Er will Leopard-2-Panzer nur dann in die Ukraine liefern, wenn die amerikanische Regierung auch ihre schweren Abrams-Panzer dorthin schickt. Eine Frage ist, ob Scholz das Recht hat zu zögern oder nur nach einer Ausrede sucht.

Aber die andere ist: Warum sind die Amerikaner wirklich zurückhaltend? Danach werden sie viel seltener gefragt. Und es gibt viele Argumente, die darauf abzielen, Washington logisch und verständlich erscheinen zu lassen. Doch ob technische, logistische oder strategische Gründe: Wenige davon überzeugen bei näherem Hinsehen oder sind auch nur sachlich.

Übersicht.

The Fuel Story

Vielleicht war der Pentagon-Sprecher schlecht vorbereitet. Doch als Sabrina Singh vergangene Woche Reportern erklärte, warum die USA die Abrams nicht liefern würden, passten ihre Erklärungen nicht zu den technischen Fakten. Laut Singh ist der Abrams „ein Panzer, der Kerosin braucht“, während der Leopard und der Challenger Diesel brauchen.

Die Behauptung selbst ist ziemlich zweifelhaft. Es ist nicht unmöglich, Kerosin in die Ukraine zu liefern. Aber es sind auch Fehlinformationen, die seit Wochen in Politik und Medien auf beiden Seiten des Atlantiks perpetuiert werden. Trotzdem taucht es immer wieder in Hintergrundgesprächen, Rednern und diversen Zeitungsartikeln auf.

Die Kraftstoffgeschichte kommt daher, dass der US-Abrams hauptsächlich mit Benzin betrieben wird. Ein mit einem bestimmten Düsentriebwerk ausgestatteter amerikanischer Panzer fährt laut Hersteller auch mit Diesel oder Benzin. In der Krise mit etwas anderem Brennbarem, im Zweifel mit Wodka, heißt es.

Complexity Report

Sehr komplex, wartungsintensiv, zu schwer, zu teuer, zu lange Lieferwege: Hört man das Pentagon, hat man nicht den Eindruck, der Abrams sei der Stolz des US-Militärs und einer der meistverkauften Panzer . . Vielmehr scheint es eine Gelegenheit zu sein, sich zu schämen. John Kirby, ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates von Präsident Joe Biden, sagte auch, das Abrams-System sei „sehr teuer im Betrieb, sehr teuer im Kraftstoff, sehr teuer in der Wartung und erfordert viel Training“.

Je mehr man jedoch mit Militär- und Waffenexperten in Washington und Berlin spricht, desto deutlicher wird das Bild: Angebliche technische Schwierigkeiten sind kein ausreichender Grund, die Abrams nicht auszuliefern.

Anfang Januar unterzeichnete Polen innerhalb kürzester Zeit einen weiteren Kaufvertrag für große amerikanische Panzer. Dort wurde Abrams bereits im Dezember 2022 von Südkorea verkauft. Wenn Abrams so schlecht wäre wie auf dem Bild, würde Polen ihn kaum kaufen.

American Abrams : Der polnische Verteidigungsminister Mariusz Błaszczak genehmigt sie Anfang Januar

American Abrams : Der polnische Verteidigungsminister Mariusz Błaszczak genehmigt sie Anfang Januar. (Quelle: IMAGO/DAMIAN BURZYKOWSKI)

Quasi-Logistik

Auch in den USA wird immer wieder die geografische Lage der Ukraine als Gegenargument angeführt. Das Argument basiert auf der Tatsache, dass die rund 2.000 in Europa stationierten Leopard-Panzer viel näher am Einsatzort sind. Aber wenn die USA ihre Panzer wirklich nach Europa schicken wollten, wäre das kein unüberwindbares logistisches Problem.

Im Gegenteil: Die Amerikaner sind im Rahmen ihrer Nato-Strategie sogar echte Experten darin, Material und Einheiten nach Europa zu liefern. Die Ladung wäre mehrere Tage länger als die in Europa geparkten Leoparden. Aber das wäre der größte Unterschied.

Angebliche Vorteile der Industrie

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine wird immer wieder gesagt, dass die Vereinigten Staaten Aufträge für ihre Rüstungsindustrie akkumulieren wollen, um wirtschaftlich und strategisch davon zu profitieren. In einem kürzlich in der "Neuen Zürcher Zeitung" erschienenen Artikel wurde spekuliert, die US-Regierung wolle die EU-Länder davon überzeugen, Leopard-Panzer in die Ukraine zu schicken, um die durch die Abrams entstandene Lücke zu füllen. Als Quelle verweist

auf „deutsche Rüstungsindustriekreise“, die jedenfalls beklagen, dass „die US-Regierung seit Jahren versucht, ihre Waffenverkäufe in Europa anzukurbeln“. Aus den Vereinigten Staaten gibt es keine Beweise für die erwähnten Hintergedanken. Es gibt jedoch Argumente gegen diese These.

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Wie der Leopard 2 gilt der Abrams unter Waffenexperten als der „Größte“. Ein Berliner Insider spricht von einem "schweren Monster", das sich nicht weiter ausbauen lasse. Die neueste Version von Abrams wird voraussichtlich auch die letzte sein. Dann kommt etwas Neues auf den Markt. Angeblich wollte die deutsche Rüstungsindustrie diese Geschichte nur vorsorglich nutzen.

In Europa arbeiten Franzosen und Deutsche seit 2012 gemeinsam an den Nachfolgepanzern Leclerc und Leopard 2. Für den „European Main Battle Tank“ beginnt 2035 das Projekt „Main Ground Combat System“ (MGCS). d.h. der wichtigste Panzer Europas, kümmert sich. Dies gilt auch für andere europäische Länder als vereinbart.

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Der Druck auf das Weiße Haus wächst

Angesichts der zweifelhaften Argumente der amerikanischen Regierung sind es nicht mehr nur die oppositionellen Republikaner, die die Freilassung Abrams vom Präsidenten fordern. Aufgrund des Zögerns Deutschlands erhöht auch die eigene Partei, die Demokraten, den Druck. Nicht zuletzt haben auch Ukrainer und osteuropäische Länder rund um die Uhr Lobbyarbeit betrieben. Lesen Sie hier mehr darüber.

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