Die AfD und ihr Wackelkandidat
- tim-news

- 29. Juli 2023
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In Magdeburg will sich die AfD mit "Harmonie" und "Disziplin" für die Europawahl 2024 aufstellen. Und vor dem Messesaal sitzt der erste AfD-Landrat, Robert Sesselmann aus Thüringen, und signiert Wahlplakate für die Parteifreunde. Der Protest gegen die AfD draußen an der Zufahrt dringt akustisch nicht hierher. Parteichef Tino Chrupalla will "Harmonie" und "Disziplin" in der Partei ausgemacht haben. Dem Parteichef fällt an diesem ersten von insgesamt sechs Tagen die Rolle zu, den EU-Kurs der Partei zu definieren. Für Chrupalla geht das weniger über Brüsseler Bürokratie oder Migration, sondern vor allem um Europas Rolle in der Welt - und damit um den Ukraine-Krieg. Das Bild, das Chrupalla für den Krieg wählt, sind keine Menschen in Luftschutzkellern oder die Opfer von Butscha, sondern "junge Ukrainer", die "in deutschen Panzern im Kampf gegen Russland" sterben. Es ist eine Aussprache gegen die NATO und die USA - und für Zurückhaltung gegenüber China und Russland. Und ein "Europa der Vaterländer" statt der EU. AfD-Chef Tino Chrupalla beim Bundesparteitag in Magdeburg. AfD-Parteitag Von neuer Harmonie und Machtanspruch Zum Auftakt des Parteitags hat AfD-Chef Chrupalla den Regierungsanspruch bekräftigt. Für den Freitag, der als Bundesparteitag läuft, liegt so nur eine wesentliche inhaltliche Debatte an: Soll die AfD der europäischen Partei "Identität und Demokratie" beitreten? Mit vielen anderen ganz oder teils extrem rechten Parteien wie der FPÖ, der italienischen Lega oder dem französischen Rassemblement National sitzt man in Brüssel bereits in einer gemeinsamen Fraktion gleichen Namens. Der dahinter stehenden Europapartei ist die AfD als einzige Beteiligte bislang nicht beigetreten. Das soll sich nun ändern, auch - so begründen es die Befürworter - damit Mittel aus der Parteienförderung an die AfD fließen. Es drohe der Verlust der Glaubwürdigkeit als "Dexit-Partei", meint ein Landeschef. Einerseits aus der EU austreten wollen, andererseits von ihr Geld nehmen - das gehe nicht zusammen. Die Welt der AfD sähe allerdings noch rosiger aus, wäre da nicht Maximilian Krah. Krah steht für den maximal russlandfreundlichen Kurs, der Tino Chrupalla und Björn Höcke eint. Und er reist nicht nur regelmäßig zu dem Publizisten Götz Kubitschek nach Schnellroda, er publiziert auch in dessen extrem rechten Antaios Verlag. Krah hat zudem mehrfach für Spannungen in der Fraktion Identität und Demokratie und der AfD-Delegation gesorgt. Mit Krah als Spitzenkandidaten dürfte es bis zum nächsten Jahr vor allem um Krah gehen - und weniger um die AfD, fürchtet mancher. Alice Weidel und Tino Chrupalla Die Liste der Alternativen wird dabei größer statt kleiner. Ein Kandidat, der wie Krah auf die Unterstützung des Lagers um Björn Höcke angewiesen ist. Die Hessin sitzt bereits für die AfD in Brüssel. Zuletzt hat sie dort beantragt, den Jahrestag der Schlacht am Kahlenberg von 1683, also die Rückschlagung der osmanischen Truppen vor Wien, zum europäischen Gedenktag zu machen. Der Fraktionsvize im Bundestag hat sich öffentlich gegen den tonangebenden Russlandkurs in der Bundestagsfraktion gestellt - und auch gegen Tino Chrupalla. Mehr als erwartet, aber wohl kaum genug, um Spitzenkandidat zu werden, heißt es aus der Partei. Auch Kleinwächters Fraktionskollege Martin Sichert, vor einem Jahr als Ex-Landeschef aus Bayern nach Niedersachsen gewechselt, läuft sich am Freitag warm. So argumentiert er gegen den Beitritt der AfD zur europäischen Partei ID. Man dürfe vor dem Scheckbuch aus Brüssel nicht einknicken, ruft Sichert.

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