Experten uneinig über Coronatestpflicht für Reisende aus China
- tim-news

- 5. Jan. 2023
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Fast drei Jahre Schließungen, Massentests und Zwangsquarantäne sind mit Chinas restriktiver Corona-Politik beendet – die Folgen der daraus resultierenden hohen Infektionszahlen werden auch international diskutiert. Die meisten EU-Staaten unterstützen Corona-Tests vor dem Austritt Chinas aus der EU - die Vertreter der nationalen Gesundheitsministerien einigten sich nach Angaben der EU-Kommission bereits am Dienstag grundsätzlich auf ein "koordiniertes Vorgehen". Am Nachmittag diskutieren die EU-Länder über den Umgang mit Menschen, die aus China ankommen.
n. Chr
Stöhr: „Dann ist die Variante schon durchgerutscht“
Epidemiologe Klaus Stöhr hält es trotz der massiven Corona-Welle in China nicht für angebracht, Reisende aus der Volksrepublik zu testen, um die Ausbreitung neuer Virusvarianten zu verhindern. „Surveillance ist keine so schlechte Idee, wissenschaftlich sicherlich interessant, aber in der Praxis sollten wir sehen, wie sich diese Variante in der Bevölkerung verhält“, sagte der frühere Leiter des Influenza-Programms der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dem Deutschlandfunk.
Es kommt darauf an, welche Merkmale sich neben der Genetik verändert haben, ob auch andere Altersgruppen einen geschwächten oder geschwächten Immunschutz aufweisen. »Das alles braucht Zeit, und dann ist die Option schon durchgerutscht. Auch Tests können das nicht verhindern“, sagte Stöhr. Die Tests erkennen nicht jeden Infizierten. „Und angesichts der aktuell hohen Fallzahlen mit starken Varianten weltweit dürfte das ohnehin keine große Rolle spielen.“ Sinnvoller wäre seiner Meinung nach ein Programm zur anonymen freiwilligen Testung an Flughäfen mit einer Probenfolge. „Auf diese Weise würden wir einen Überblick über die weltweit zirkulierenden Virusvarianten erhalten“, sagte er.
Montgomery für obligatorische europaweite PCR-Tests
World Medical Association Präsident Frank Ulrich Montgomery empfahl obligatorische Tests in ganz Europa für alle Reisenden aus China. „Wir wissen derzeit nicht, was in China passiert. Die Infektionen sind völlig außer Kontrolle“, sagte Montgomery der Düsseldorfer Rheinischen Post. Daher hält er es für sinnvoll, den PCR-Test bei der Einreise verpflichtend zu machen. Außerdem müssen positive Tests sequenziert werden, um noch nicht in Deutschland zugelassene Varianten zu identifizieren. „Es ist nicht auszuschließen, dass neue Varianten aus China den Weg nach Deutschland finden“, betonte Montgomery.
Italien und Spanien haben obligatorische Tests für Reisende aus China eingeführt, Deutschland jedoch nicht. Dem widersprach Ende Dezember Gesundheitsminister Karl Lauterbach, der dennoch eine engmaschige „variable Überwachung“ für europäische Flughäfen vorbereiten wollte.
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Grüne über Gesundheitsexperte Janosch Dahmen äußerten sich ebenfalls kritisch zur Testpflicht. Dahmen sagte im Morgenprogramm der ARD, die Kontrolle einzelner Direktflüge aus China sei "wenig effektiv", weil die meisten chinesischen Reisenden über andere Routen ins Land einreisen, etwa mit Stopps in anderen Ländern. Eine Testpflicht würde seiner Meinung nach ohnehin nur „auf einer einheitlichen europäischen Ebene“ Sinn machen. Allerdings müsse die Situation "eng" beobachtet werden.
ani/dpa/AFP

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