Greta Thunberg in Lützerath
- tim-news

- 14. Jan. 2023
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Greta Thunberg hat am Freitag Lützerath besucht und zur Volkskraft gegen Umweltzerstörung und Gefährdung von Menschen durch Regierungen und Konzerne aufgerufen. Er bezeichnete das Vorgehen der Polizei als „akzeptabel“.
Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg rief zum Widerstand gegen das Bergbaudorf des Energieriesen RWE im Braunkohlendorf Lützerath auf. Wenn Regierungen und Unternehmen auf diese Weise zusammenarbeiten, um die Umwelt zu zerstören und unzählige Menschen zu gefährden, dann wehren sie sich dagegen“, sagte der Schwede am Freitag bei einem Besuch in Lützerath. "Wir wollen zeigen, wie Volksmacht aussieht, wie Demokratie aussieht." „Es ist empörend, wie gewalttätig die Polizei vorgeht“, sagte Thunberg. Der 20-Jährige besichtigte auch den Krater eines Braunkohletagebaus und hielt ein „Nichts tun“-Schild hoch.
Was in Lützerath passiere, sei "schockierend", sagte Thunberg. Leider passieren ähnliche Dinge auf der ganzen Welt. "Es ist schrecklich zu sehen, was hier vor sich geht." Viele Menschen haben jahrelang versucht, dies zu vermeiden. Am Samstag werde er an der geplanten Demonstration zur Verteidigung von Lützerath teilnehmen, kündigte er an. Wie lange er in Deutschland bleiben wird, weiß er noch nicht.
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„Bleib hinter den Störenfrieden, damit sie stecken bleiben. Seien Sie ganz ruhig“, sagt der Polizist. „Ein Kampf ums Überleben“, sagte Thunberg. "Lützi bleibt!" Er schrie zusammen mit den Demonstranten.
Inzwischen hat die Polizei Lützerath das letzte bewohnte Haus geräumt. Auch Molotow-Cocktails und Pyrotechnik wurden in dem Gebäude sichergestellt, wie der Polizeisprecher am Abend gegenüber der Evangelischen Presse (epd) sagte. Die letzten beiden Personen befanden sich auf dem Dach des Gebäudes. Zudem mussten am Abend Menschen aus dem Baumhaus transportiert werden. Am dritten Tag der Evakuierung sei die Lage relativ ruhig geblieben, sagte er. Eine Demonstration mit bis zu 200 Menschen am Freitagnachmittag legte jedoch einige Einsatzkräfte lahm. Die Teilnehmer fuhren von Keyenberg nach Lützerath.
Am Abend war noch unklar, wie sich die Polizei gegen zwei Personen im unterirdischen Tunnelsystem unter der Stadt verhalten soll. „Es haben Gespräche stattgefunden“, sagte ein Polizeisprecher. Allerdings haben die Aktivisten bisher keine Lust gezeigt, den rund vier Meter tiefen Tunnel zu verlassen. Zwei Personen werden vorsorglich mit Sauerstoff versorgt, eine technische Hilfsorganisation ist in Alarmbereitschaft. Laut Polizei ist derzeit unklar, wie weitläufig die Tunnelanlage ist und ob sich möglicherweise weitere Personen dort aufhalten. Ein Sprecher bezeichnete die Situation als „schwierig“. Auf die Reinigung der Oberfläche hat sich die Maßnahme allerdings noch nicht ausgewirkt.
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70 Menschen Lützerath – 320 freiwillig, 150 mussten von der Polizei abtransportiert oder abgeführt werden. Mindestens sechs Personen wurden angeklagt, sich der Polizei widersetzt und Eigentum beschädigt zu haben. Der Rettungsdienst war schon mehrfach mit Steinen und Böllern beworfen worden. Laut Polizei wurden bei dem Einsatz bisher vier Aktivisten und fünf Polizisten verletzt.
Auch anderswo kam es zu Demonstrationen. Rund 30 Aktivisten blockierten am Freitagmorgen die RWE-Konzernzentrale in Essen. Mitglieder von Extinction Rebellion, Scientific Rebellion und Last Generation schlossen sich der Aktion an, einige ketteten sich an das Haupttor. Sie forderten ein Moratorium für die laufende Evakuierung von Lützerath durch RWE-Manager. Am Mittag löste die Polizei die Versammlung auf.
Thunberg wird am Samstag wieder erwartet
Am Wochenende erhalten die Aktivisten von Lützerath und Umgebung Unterstützung durch eine Großdemonstration. Unter dem Motto „Lützerath: Gegen Vertreibung – Kohleausstieg und Klimagerechtigkeit“ werden am Samstag nach Angaben der Veranstalter rund 10.000 Menschen erwartet – darunter auch Thunberg. Die Modelleisenbahn verlässt Keyenberg um 12 Uhr in Richtung Lützerath. Die Abschlusskundgebung ist um 13:30 Uhr auf dem Feld bei Lützerath angesetzt.
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Die Grünen-Abgeordnete Antje Grothus warnte vor künftigen Konflikten in derselben Region. Es gebe Flächen im derzeit genehmigten Aktionsplangebiet Tagebau Garzweiler, die die Eigentümer nicht an RWE verkaufen wollten, sagte er. So drohten auch nach der Räumung Lützeraths dem geplanten Abbaugebiet langwierige und rechtlich ungewisse Enteignungen.
Der Sprecher von RWE wies die Äußerungen des Grünen-Politikers zurück. „Die Lichtung Garzweiler hat genug Land vor sich und damit ist auch ihr Arbeitsgebiet rund um Lützerath gesichert“, sagte der Sprecher. Dort "greifen Landübertragungsverfahren nicht mehr".

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