Im U-Boot verunglückter 19-Jähriger wollte am Meeresgrund Weltrekord aufstellen
- tim-news

- 27. Juni 2023
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Nachdem Rettungsteams Trümmerteile der „Titan“ gefunden haben, ist es nun Gewissheit: die fünf Insassen des U-Boots sind tot. Juni, 08.13 Uhr: Der mit dem Tauchboot „Titan“ tödlich verunglückte Teenager Suleman Dawood wollte nach Angaben seiner Mutter bei der Expedition zum Wrack der „Titanic“ einen Weltrekord aufstellen. Ihr Sohn sei ein begnadeter Zauberwürfel-Spieler gewesen und habe das auch als Rubik's Cube bekannte Drehpuzzle in knapp 4 Kilometer Meerestiefe lösen wollen, sagte Christine Dawood dem britischen Sender BBC. Um den Erfolgsmoment auf Video festzuhalten, habe sein - ebenfalls ums Leben gekommener - Vater Shahzada eigens eine Kamera mit in das kleine Tauchboot genommen. Ursprünglich habe sie den Tauchgang zur „Titanic“ zusammen mit ihrem Mann - einem britisch-pakistanischen Unternehmensberater - unternehmen wollen, sagte Christine Dawood in dem Interview, das die BBC in der Nacht zu Montag veröffentlichte. -/OceanGate Expeditions/AP/dpaDas Tauchboot «Titan» ist auf dem Weg zur «Titanic» tragisch verschwunden. Bevor beide Männer schließlich mit drei anderen Abenteurern die „Titan“ bestiegen, hätten sie sich noch umarmt und Witze gemacht, schilderte sie. Dann glitt das Tauchboot zum legendären Wrack des Luxusliners in 3800 Meter Tiefe hinab, während Christine Dawood und ihre 17 Jahre alte Tochter Alina an Bord des Mutterschiffs „Polar Prince“ ausharrten. Irgendwann hätten sie dann gehört, dass der Kontakt zur „Titan“ abgerissen sei. „Ich glaube, ich habe die Hoffnung verloren, als wir die Marke von 96 Stunden überschritten haben“, erinnerte sich Dawood - für diese Zeitspanne hätten die Sauerstoffreserven an Bord der „Titan“ in etwa reichen sollen. Ihre Tochter habe sich etwas länger an den Gedanken geklammert, das Drama werde noch ein glimpfliches Ende nehmen. Doch dann sei der niederschmetternde Anruf der Küstenwache gekommen: „Da haben sie uns im Grunde informiert, dass sie Trümmer gefunden haben.“ Die Bruchstücke der „Titan“ lagen keine 500 Meter vom Bug des „Titanic“-Wracks entfernt, der Tod der fünf Insassen war damit faktisch bestätigt. Christine und Alina Dawood haben sich nun ein persönliches Ziel gesetzt, um die Tragödie zu verarbeiten und das Andenken an Suleman zu bewahren: Seine Mutter und Schwester wollen selbst lernen, wie man das Zauberwürfel-Puzzle löst. 18.27 Uhr: Einige Teile des implodierten Tauchboots „Titan“ sollen aus Kohlefaserteilen hergestellt worden sein, die Oceangate-CEO Stockton Rush deutlich verbilligt von Boeing erhielt. Das berichtet Arnie Weissmann, Chefredakteur der Zeitschrift „Travel Weekly“, unter Berufung auf ein Gespräch mit Rush aus dem Mai. Der bei dem Unglück verstorbene Rush habe Weissmann an Bord des Begleitschiffs „Polar Prince“ auf eine Zigarre eingeladen, als beide im Mai auf besseres Wetter für einen Tauchgang der „Titan“ warteten. Juni verschoben - das Datum, an dem das Tauchboot dann zur Titanic aufbrach und schließlich implodierte. „Er sagte, er habe die Kohlefaser, aus der die ,Titan‘ hergestellt wurde, mit einem großen Preis-Nachlass von (Flugzeughersteller, d. Als er bei Rush nachfragte, ob das ein Problem sei, habe dieser bejaht. „Er antwortete, dass diese Daten weit vor ihrer eigentlichen Zeit festgelegt sind und dass Boeing und sogar die Nasa an der Konstruktion und Erprobung der ,Titan‘ beteiligt gewesen seien.“ Offenbar war Rush überzeugt, dass die Teile trotzdem noch nutzbar seien. Juni, 13.34 Uhr: Nach dem bestätigten Tod der fünf Insassen im Tauchboot „Titan“ prüft die kanadische Polizei strafrechtliche Ermittlungen. Eine solche Untersuchung werde nur dann eingeleitet, wenn die Prüfung der Umstände darauf hinweise, dass möglicherweise Gesetze gebrochen worden seien, sagte Kent Osmond von der kanadischen Polizei am Wochenende. Unterdessen begann die kanadische Verkehrssicherheitsbehörde TSB mit der Untersuchung des Mutterschiffes der „Titan“, der „Polar Prince“. Die von dem Privatunternehmen Oceangate betriebene „Titan“ war von dem unter kanadischer Flagge fahrenden Mutterschiff an ihren Einsatzort gebracht worden. Nach dem Verschwinden der „Titan“ am Sonntag vor einer Woche hatte die US-Küstenwache mit Hilfe vor allem von kanadischen Kräften rund 700 Kilometer südlich der kanadischen Insel Neufundland eine großangelegte Suche gestartet. Damit war klar: Die fünf Insassen, unter ihnen Oceangate-Chef Stockton Rush, sind tot. Medienberichten zufolge warnte schon 2018 ein Brief der Organisation Marine Technology Society (MTS) vor dem experimentellen Charakter des touristischen Angebots, und dass die Fahrten in einer Katastrophe enden könnten. 14.55 Uhr: Die Suche nach dem vermissten Tauchboot Titan hat die USA bisher etwa 1,2 Millionen Dollar gekostet, so die Schätzung eines Experten für den Verteidigungshaushalt nach Informationen der „Washington Post“. Die endgültige Zahl könnte diese erste Schätzung allerdings noch übertreffen, so Mark Cancian, ein leitender Berater des Zentrums für strategische und internationale Studien. Unklar ist auch noch, ob das US- oder das kanadische Militär an einer Operation zur Bergung der Überreste der Titanic teilnehmen wird. 8.45 Uhr: Auf Twitter kursiert derzeit ein Ausschnitt aus einem Interview des Oceangate CEO Stockton Rush mit dem mexikanischen Vlogger Alan Estrada. Er begleitete Rush 2021 bei Vorbereitungen zum ersten Tauchgang und begleitete ihn 2022 schließlich zur Titanic. In dem Interview erklärt Rush: „Wissen Sie, ich habe ein paar Regeln gebrochen, um das hier zu machen - mit Logik und guter Ingenieursarbeit. Das mit der Kohlefaser und dem Titan. Naja, ich hab’s gemacht.“ Er begründet sein Handeln damit, dass er als „Innovator“ in Erinnerung bleiben möchte und zitiert den US-amerikanischen Kriegsgeneral Douglas MacArthur, der sagte: „Du wirst anhand der Regeln in Erinnerung bleiben, die du brichst.“ Rush erklärt in dem Gespräch weiter, dass er der Wissenschaft und der Gesellschaft mit seinem Regelbruch einen Mehrwert geben und die Bahn frei machen möchte für neue Innovationen. Er erklärt auch, dass die Menschen, wenn sie die Erde eines Tages unbewohnbar gemacht hätten, nicht etwa auf dem Mars oder anderen Planeten leben werden, sondern unter Wasser – das sei seiner Meinung nach die beste Lösung. Estrada gibt in seinen insgesamt vier Videos zu seiner Expedition, die vor etwa einem Jahr hochgeladen wurden, auch weitere Einblicke in das Unglücks-U-Boot „Titan“. Er sagt etwa, dass das Boot Platz für fünf Personen habe – einen Pilot, einen Co-Pilot und drei Experten, wie er einer sei, „aber in Wirklichkeit sind wir Touristen.“ Juni, 8.30 Uhr: - Nach dem bestätigten Tod der fünf Insassen im Tauchboot „Titan“, nahe dem 'Titanic'-Wrack, hat Kanada eine Untersuchung der Tragödie eingeleitet. Die von dem Privatunternehmen Oceangate betriebene „Titan“ war von einem unter kanadischer Flagge fahrenden Mutterschiff an ihren Einsatzort gebracht worden.

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