Iraner soll mit Cyanid und Rizin islamistischen Anschlag geplant haben
- tim-news

- 8. Jan. 2023
- 3 Min. Lesezeit
In Castrop-Rauxel haben Anti-Terror-Ermittler einen 32-jährigen Mann festgenommen, der einen islamistischen Anschlag geplant haben soll. Ein iranischer Staatsbürger wurde angeblich für das Verbrechen mit Zyanid und Ricin vergiftet. Ricin gilt als biologische Kriegswaffe.
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Anti-Terror-Ermittler haben in Castrop-Rauxel im nördlichen Ruhrgebiet einen 32-jährigen Mann wegen angeblicher Vorbereitung eines islamistischen Anschlags festgenommen. Ein iranischer Staatsangehöriger werde verdächtigt, sich die Gifte Zyanid und Ricin für die Tat beschafft zu haben, teilten die Staatsanwaltschaft Düsseldorf, die Polizei Recklinghausen und die Polizei Münster am frühen Sonntagmorgen mit.
Hochgiftiges Ricin wird laut Robert-Koch-Institut (RKI) in der Liste der Kriegswaffen unter „biologische Waffen“ geführt. Cyanid ist zudem sehr giftig, schon kleinste Mengen sind für den Menschen tödlich.
Am Sonntagabend schlugen die Forscher gegen Mitternacht ein. Nach Angaben der Ermittler wurde die Wohnung des 32-jährigen Mannes in Castrop-Rauxel auf Anordnung des Richters durchsucht. Der Ort war durch ein großes Areal isoliert. Es waren viele Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte im Einsatz.
Laut WELT könnte ein „Geheimdienstfreund“ deutsche Sicherheitsbehörden vor einem drohenden Chemiebombenanschlag gewarnt haben. Die erste "Bild" sprach darüber. Das BKA ermittelt daraufhin mehrere Tage gegen den Iraner.
Bei der Suche gefundene Stoffe werden auf dem Gelände der Feuerwehr Castrop-Rauxel untersucht
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Quelle: dpa/Christoph Reichwein
Viele Rettungskräfte verwendeten Schutzanzüge . Die Beweismittel seien in blauen Fässern zur von der Feuerwehr eingerichteten Schadstoffkontrollstelle gebracht worden, berichtet ein dpa-Reporter.
Wegen der biologisch-chemischen Gefahren der Rettungseinrichtungen waren laut "Bild"-Bericht auch RKI-Beamte als Berater dabei. Auch mehrere Mitarbeiter des Bundeskriminalamts (BKA) und des Wehrkommandos wurden vor Ort entsandt. Das BKA wollte sich zu dem Einsatz nicht äußern und leitete ihn an die Staatsanwaltschaft weiter.
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„Der Beschuldigte wird verdächtigt, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben“, so die Ermittler. "Die Suche wird helfen, ähnliche Gifte und andere Beweise zu finden." Die Generalstaatsanwaltschaft bestätigte gegenüber WELT, dass neben dem 32-Jährigen ein weiterer bei der Durchsuchung gefundener Mann festgenommen wurde. Offenbar besteht zwischen den Männern eine familiäre Beziehung. Sie könnten Brüder sein.
Zunächst war unklar, wie weit die Angriffspläne fortgeschritten waren und ob bereits ein konkretes Ziel existierte. Die Ermittlungen dauerten an diesem Morgen noch an. Die Staatsanwaltschaft wollte sich wegen der Anfangsphase der Ermittlungen nicht zu der Angelegenheit äußern.
Die Polizei ermittelt nach Angaben von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) mit Hochdruck. „Wir hatten einen wichtigen Hinweis darauf, dass die Polizei in dieser Nacht eingegriffen hat“, sagte Reul am Sonntagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. Jetzt müssen wir die Ergebnisse der Ermittlungen abwarten.
SEK-Beamter mit Schutzmaske nahm einen Mann fest
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Quelle: dpa/Karsten Wickern Nur eine Behelfsjacke wurde dem Krankenwagen über die Straße geworfen. Keiner widersprach.
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„Beweise wurden sichergestellt und werden ausgewertet“, schrieben Forscher. Ob der 32-Jährige einem Haftrichter vorgeführt wird, ist noch nicht entschieden. Das Verfahren wird von der Zentralstelle für Terrorismusbekämpfung Nordrhein-Westfalen der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf geführt.
Tipps aus dem Ausland vereitelten fast alle anderen Anschlagspläne
Vor vier Jahren zeigten Recherchen in Köln, wie gefährlich Ricin ist: in einem 15-stöckigen Haus . Aufbauend auf einem hoch gelegenen Areal von Chorweiler stellten ein Tunesier und seine deutsche Frau die Chemikalie her und begannen mit Testexplosionen. Ein ausländischer Geheimdienst vermutete den Kauf großer Mengen Ricin im Internet und gab einen Tipp heraus. Beide wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Das Gutachten ergab, dass 13.500 Menschen an der Giftmenge gestorben sein könnten. Ein geplanter Einsatz einer mit einer Stahlkugel bestückten Streubombe hätte rund 200 Menschen getötet.
Im November wurden in Nordrhein-Westfalen mehrere Angriffe auf Synagogen versucht. Auch die Bundesanwaltschaft prüft mögliche Verbindungen zum Staat Iran. Einer der Unterstützer der Anschlagsserie könnte der im September 2021 nach Teheran geflohene Ex-Rock-Boss Ramin Y. sein. WELT AM SONNTAG berichtete kürzlich, dass der festgenommene Verdächtige geschäftliche Verbindungen zu Y hat. Unterhaltung Der Mann soll sich in radikalen schiitischen Kreisen bewegt haben.
Derzeit gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass die Festnahme in Castrop-Rauxel mit den Synagogenanschlägen in Zusammenhang stehen könnte, hieß es am Sonntagmorgen.
dpa/mhe/lep/jr

Bild: Welt.de

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