Krieg am Himmel – und in den Köpfen
- tim-news

- 5. Mai 2023
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Hat die Ukraine einen Anschlag auf Wladimir Putin geplant? Doch sie sorgten nicht nur in Russland für Aufsehen: Am Mittwochnachmittag teilte der Kreml mit, dass es einen Angriff von zwei Drohnen auf die Residenz des russischen Präsidenten Wladimir Putin gab. Doch wie genau soll der Angriff abgelaufen sein – und ist ein solcher Anschlag durch die Ukraine realistisch? Am Mittwochnachmittag veröffentlichte der Kreml eine Mitteilung über den angeblichen Anschlag: Das "Kiewer Regime" habe in der Nacht versucht, die Kreml-Residenz von Wladimir Putin anzugreifen. Der angebliche Angriff soll dabei von zwei Drohnen ausgeführt worden sein. Die russische Flugabwehr soll sie allerdings zum Absturz gebracht haben. Moskau wertete den Vorfall als ein geplantes Attentat auf den Präsidenten und sprach von einem "Terroranschlag". Der Vorfall ereignete sich kurz vor den Feierlichkeiten am 9. Putin selbst soll sich allerdings laut seinem Sprecher Dmitri Peskow nicht im Kreml aufgehalten haben, sondern in seinem Anwesen Nowo-Ogarjowo, das sich im Westen vor den Toren der Hauptstadt befindet. Im Netz kursieren auch mehrere Videos, die den mutmaßlichen Angriff zeigen sollen. Auf den Aufnahmen ist auch zu sehen, dass vor der Explosion sich auf dem Kuppeldach zwei Personen aufhalten sollen. Als Reaktion verhängte der Moskauer Bürgermeister Sergei Sobjanin ein Verbot von Drohnenflügen in Moskau. Russland wirft Ukraine Angriff vor: Video soll Drohnen über Kreml zeigen Die Ukraine wies jegliche Verantwortung von sich. Moskau denke sich so etwas aus, da Russland den vor etwas mehr als 14 Monaten begonnenen Krieg gegen die Ukraine bereits verloren habe. Der Kreml versuche so, seine Soldaten für den Krieg gegen Kiew zu motivieren. In einer ersten Reaktion der USA teilte US-Außenminister Antony Blinken mit, man könne den Angriff nicht bestätigen. Was ist über das Gebäude aus den Videos bekannt? Die Kuppel, die auf den Videos zu sehen ist, gehört zum russischen Senatspalast. Es ist die offizielle Residenz des russischen Präsidenten, in der Vergangenheit war es auch die Residenz von Lenin. In dem Gebäude befindet sich heute etwa Putins Büro, das Sitzungsgebäude des nationalen Sicherheitsrats oder die Bibliothek des Präsidenten. Ist die Ukraine zu einem solchen Anschlag fähig? Allerdings gibt es auch Vorfälle, die weiter im russischen Inland passierten und mutmaßlich auf das Konto der Ukraine gehen könnten: Ende Dezember meldete die russische Armee einen Drohnenangriff auf den Militärflugplatz Engels-2, der hunderte Kilometer östlich der Ukraine liegt. Die Ukraine kommentiert die Vorfälle allerdings in der Regel nicht. Michelle Hunziker und Aurora Ramazzotti: Hin und wieder zeigen sich die beiden gemeinsam auf dem roten Teppich. Ob die Ukraine Drohnen besitzt, die über solch große Reichweiten Angriffe durchführen kann, ist unklar. Offiziell ist die Armee etwa in Besitz der türkischen Kampfdrohne Bayraktar TB-2. Die besitzt allerdings eine maximale Reichweite von 300 Kilometern. Das reicht nicht aus, um aus dem äußersten ukrainischen Grenzgebiet etwa Moskau zu erreichen. Bekannt ist jedenfalls, dass der Kreml mit zahlreichen Systemen geschützt wird, auch durch Luftabwehr. Moskau sei von Radarsystemen und Luftabwehrraketen umgeben, schreibt der Historiker und Russlandexperte Mark Galeotti zu den Vorfällen im britischen "Spectator." Im Umfeld des Kreml soll sogenanntes "GPS-Spoofing" genutzt werden, wodurch Navigationssysteme verrückt spielen und nicht mehr den exakten Standort angeben können. Außerdem besitze der Sicherheitsdienst dort Systeme, die Kommandosignale von Drohnen stören können. Der britische Guardian hatte etwa im Januar darüber berichtet, dass neue Flugabwehrsysteme auf den Dächern über der Hauptstadt gesichtet wurden. Es soll sich dabei um das System Panzir handeln, dass etwa auf kurzer und mittlerer Distanz Flugzeuge, Hubschrauber oder Marschflugkörper abfangen kann. Russische Medien berichteten zusätzlich davon, dass in der Hauptstadt auch die Langstreckenraketen S-400 installiert wurden. Deshalb glaube er nicht an eine so genannte "False-Flag"-Aktion, die der Kreml selbst inszeniert habe. Wenn überhaupt, dann könne es sich seiner Einschätzung nach höchstens um eine Inszenierung durch russische Hardliner handeln, die Putin so überzeugen wollten, der Ukraine nun offiziell den Krieg zu erklären. Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew reagiert auf den Vorfall damit, dass jetzt keine andere Möglichkeit gebe, als die "physische Eliminierung" des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Ähnlich wie Galjamow sieht es Russlandexperte Galeotti und zieht Parallelen zum Flug von Mathias Rust: Der Deutsche war 1987 ungehindert mit einem Flugzeug in der Nähe des Kreml gelandet.

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