Lambrechts rote Linie
- tim-news

- 17. Dez. 2022
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Dass dies ein Besuch im Krisengebiet ist, daran lässt die Szenerie keine Zweifel aufkommen: Während die deutsche Verteidigungsministerin mit ihrem malischen Amtskollegen die Ehrenformation der strammstehenden Soldaten abschreitet, sichern vermummte, mit Sturmgewehren bewaffnete Militärs auf offenen, sandfarbenen Pick-Up-Trucks die Ministerin in alle Himmelsrichtungen ab. "Gar keine Frage, dass es hier gefährlich ist", bestätigt auch ein Major, der hier in der Hauptstadt Bamako für die UN-Mission MINUSMA seinen Dienst tut. Hier haben es die in Gao stationierten rund 1100 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr mit ganz anderen Gefahren zu tun: Mit Beschuss, mit Sprengfallen. Lambrecht fordert WahlenDer eigenen Sicherheit ist dabei wenig zuträglich, dass die Militärjunta den Deutschen in den letzten Wochen immer wieder Flüge von Überwachungsdrohnen rund um das Camp untersagt hat. Das dürfte die Ampel-Koalition in ihrem kürzlich gefällten Beschluss bestärkt haben, aus Mali abzuziehen. Wenn auch nicht sofort: "Das wird beginnen im Sommer 2023 und soll im Mai 2024 endgültig abgeschlossen sein", bekräftigte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht in Bamako.Und schickte an den neben ihr stehenden malischen Amtskollegen Sadio Camara noch eine unmissverständliche Warnung hinterher. Wohl auch aus Rücksicht auf die russischen Söldner, mit denen das Regime zusammenarbeitet und die sich nur ungern auskundschaften wollen, hatte die Militärregierung genau diese Starts untersagt.Doch Aufklärung sei unerlässlich, stellt Lambrecht im ARD-Interview anschließend noch einmal klar: "Wir werden nicht bis Mai 2024 hierbleiben, wenn wir diese Aufgabe nicht erfüllen können."Es ist kein Geheimnis, dass die SPD-Politikerin die Bundeswehr lieber eher abgezogen hätte - doch dagegen stemmte sich Annalena Baerbocks Außenministerium, auch aus Rücksicht auf die Vereinten Nationen. Mai gewählt zu haben, von "Offenheit und Ehrlichkeit" in der Partnerschaft spricht Camara.Für Lambrecht und Camara war es das erste Mal überhaupt, dass die beiden sich von Angesicht zu Angesicht begegneten. Christine Lambrecht (SPD), Verteidigungsministerin, spricht mit Soldaten im deutschen Camp Castor. Weihnachtsgruß bei 35 Grad: Christine Lambrecht besuchte die deutschen Soldatinnen und Soldaten im Camp Castor in Mali. Während er spricht, steht er vor einem Exemplar der Drohne, die er gerade der Ministerin präsentieren durfte.Die war nach ihrem Besuch in der Hauptstadt Bamako in das Camp der UN-Mission nach Gao geflogen, wo auch die Bundeswehr stationiert ist. Der an die malische Militärregierung gerichteten Warnung ließ sie noch eine Weihnachtsbotschaft folgen - gewidmet war die der deutschen Truppe, die hier im derzeit gefährlichsten Auslandseinsatz der Bundeswehr ihren Dienst tut."Gerade in dieser Zeit, vor Weihnachten, ist es so wichtig für Sie zu wissen, dass wir hinter Ihnen stehen", erklärte Lambrecht. Kai Küstner, ARD Berlin, zzt.

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