Lauterbach: "Wir kommen in ein schwieriges Fahrwasser"
- tim-news

- 14. Jan. 2022
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In einer Pressekonferenz äußern sich Gesundheitsminister Lauterbach, RKI-Chef Wieler und der Berliner Virologe Drosten zur aktuellen Corona-Situation.
Deutschland bekommt im Februar knapp zwei Millionen Dosen des Impfstoffs der Firma Novavax geliefert.
Der Bundesrat hat einer Verordnung für die neuen Quarantäne-Regeln zugestimmt. Dadurch werden unter anderem kürzere Quarantänezeiten möglich.
Das RKI meldet mit 92 223 Neuinfektionen einen neuen Rekord. Die Inzidenz steigt auf 470,6. Der Anteil der Omikron-Variante ist auf 73 Prozent gestiegen.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnt angesichts der Ausbreitung der Omikron-Variante vor den kommenden Tagen und Wochen. "Wir kommen in ein schwieriges Fahrwasser", sagte er vor der Bundespressekonferenz. Krankenhäuser und Testlabore dürften an ihre Kapazitätsgrenzen geraten. Er habe deshalb auch veranlasst, dass in den Laboren die PCR-Tests von Beschäftigten in Kliniken, Behinderten- und Pflegeheimen vorrangig ausgewertet werden.
Lauterbach warb erneut für strenge Corona-Regeln. Das, was der Bund und die Länder bisher beschlossen hätten, wirke. Das zeige sich daran, dass die Verdoppelungszeit - also die Zeit, in der sich die Zahl der Corona-Fälle verdoppelt - im internationalen Vergleich mit knapp sieben Tagen relativ hoch sei. Das spricht für eine nicht ganz so schnelle Ausbreitung. Ziel sei, "das Unvermeidbare, die steigende Zahl an Infektionen, so zu strecken und zu reduzieren, dass wir mit möglichst wenigen Opfern durch die vierte Welle kommen", sagte Lauterbach. Und in dieser Zeit müsse man weiter viele Menschen mit einer Auffrischungsimpfung versehen. Eine "Durchseuchung" könne man nicht akzeptieren, da nicht klar sei, wie viele Menschen dann stürben.
Zugleich hält Lauterbach die aktuellen Anti-Corona-Maßnahmen für noch ausreichend. Sorge bereite ihm aber, dass die vereinbarte 2-G-plus-Regelung in der Gastronomie nicht überall umgesetzt werde - Bayern beispielsweise hat sie nicht umgesetzt - und dass die Kontrollen nicht ausreichten. "Lockerungen kann man zum derzeitigen Zeitpunkt ausschließen", fügte der SPD-Politiker hinzu. Wenn eine Überlastung der medizinischen Versorgung zu erwarten wäre, "dann muss natürlich mit anderen Maßnahmen gegengesteuert werden".
"Die Fallzahlen werden weiter steigen" - wie auch die Zahl der Todesfälle, sagte Lothar Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI). Zugleich müsse man davon ausgehen, dass immer mehr Fälle gar nicht bekannt werden - da die Infizierten weniger Symptome zeigen, die Labore überlastet seien und die Gesundheitsämter mit den Meldungen nicht hinterherkämen. Wie Lauterbach warb Wieler für mehr Impfungen und Schutzmaßnahmen: Auch im eigenen Haushalt sei das Tragen einer Maske einer Option.
Der Virologe Christian Drosten warnte, schon jetzt auf eine Durchseuchung der Bevölkerung in Deutschland zu setzen. Drei Millionen Menschen über 60 Jahren seien noch nicht geimpft, fast neun Millionen nicht geboostert und damit nicht vollständig gegen die Omikron-Virusvariante geschützt, sagt er. Aber irgendwann müsse man das Virus "laufen lassen", weil man die Bevölkerung nicht immer wieder nachimpfen könne. (14.01.2022)

Bundesrat bringt neue Quarantäne-Regeln auf den Weg
Die neuen Quarantäne-Vorschriften für Corona-Infizierte und Kontaktpersonen können kommen. Nach dem Bundestag hat am Freitag auch der Bundesrat einer Verordnung zugestimmt, die dafür einen rechtlichen Rahmen schafft. Sie sieht unter anderem vor, dass sich dreifach geimpfte Kontaktpersonen von Corona-Infizierten nicht mehr in Quarantäne begeben müssen. Außerdem werden damit kürzere Quarantänezeiten im Fall von Infektionen ermöglicht, um bei stark steigenden Infektionszahlen den personellen Zusammenbruch wichtiger Versorgungsbereiche zu verhindern.
In der Sondersitzung der Länderkammer sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), die Pandemie sei an einer "Schnittstelle" angekommen. Man gehe in das dritte Jahr. In diesem stelle sich die Frage, ob es gelinge, die Pandemie so zu entschärfen, dass man in eine endemische Lage mit nur noch sporadischen Ausbrüchen und wenigen Todeszahlen komme - oder ob man diese Gelegenheit ungenutzt passieren lasse. "Wir müssen diese Gelegenheit ergreifen und wir haben die Mittel dafür. Wir haben die Mittel dafür, die Pandemie in Deutschland in diesem Jahr weitestgehend zu beenden." (14.01.2022)
Wie Bund und Länder Omikron begegnen wollen
Neue Höchstwerte bei Neuinfektionen und Sieben-Tage-Inzidenz
Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet mit 92 223 Corona-Neuinfektionen wieder einen neuen Höchstwert, nachdem bereits am Vortag ein Negativ-Rekord verzeichnet wurde. Das sind 35 888 Fälle mehr als am Freitag vor einer Woche, als 56 335 Positiv-Tests gemeldet wurden. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 470,6 von 427,7 am Vortag.

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