Macron sucht Rat bei den Bürgermeistern
- tim-news

- 4. Juli 2023
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Es klang ehrlich, aber auch hilflos, was Teilnehmer über die Pläne berichteten, die Präsident Emmanuel Macron gestern Abend in der Krisensitzung gefasst hatte. Helfen beim Nachdenken und Verstehen sollen die Bürgermeister. Und zwar jene 220, die in den vergangenen Tagen zum Teil äußerst gewaltsame Attacken erlitten haben. Player: videoSolidarität mit attackiertem Bürgermeister im Zuge der Krawalle in Frankreich Solidarität mit attackiertem Bürgermeister im Zuge der Krawalle in Frankreich Vincent Jeanbrun gehört den konservativen Republikanern an und ist Bürgermeister von L’Hay-les-Roses, einer Kleinstadt zehn Kilometer südlich des Pariser Stadtzentrums. In den 20-Uhr-Abendnachrichten auf Tf1 berichtete er gestern Abend davon, wie die Angreifer in der Nacht auf Sonntag mit einem Auto das Tor seines Grundstücks durchbrachen und Feuer legten. Wie seine Frau mit den beiden kleinen Kindern durch den Garten fliehen musste, dabei mit Feuerwerkskörpern beschossen wurde und sich schließlich zu den Nachbarn rettete. "Im Krankenhaus hat meine Frau zu mir gesagt: Wir geben nicht auf. Denn wenn wir der Angst nachgeben, werden sie gewonnen haben", erzählte Jeanbrun. Player: video"Die Menschen wollen klare Ansagen von ihrem Präsidenten", Sabine Rau, ARD Paris, zu Unruhen in Frankreich Angesichts der Unruhen will Frankreichs Präsident Macron heute einen Lagebericht abgeben. In vielen Vierteln gebe es keinen Zusammenhalt mehr, erklärte der Bürgermeister von L’Hay-les-Roses, der selbst in einer Sozialbauwohnung groß geworden ist und aus einer italienischen Familie stammt. Die Polizei müsse gestärkt und besser ausgestattet werden. Seit 1977 wurden insgesamt zehn Aktionspläne für die sozial benachteiligten Viertel aufgelegt. Macron verfügte in seiner ersten Amtszeit, dass in besonders schwierigen Gegenden die Größe der Grundschulklassen halbiert wird. Außerdem hatte er das Budget für die Renovierung maroder Gebäude verdoppelt und ließ Kurse finanzieren, die dabei helfen sollen, sich selbstständig zu machen. Player: videoBürgermeisterfamilie wird nach Wohnhaus-Attacke bei fünfter Krawallnacht in Frankreich verletzt Unruhen in Frankreich Offenbar ruhiger als in den vorigen Nächten Auch in dieser Nacht hat sich in Frankreich die Wut entladen über den Tod eines 17-Jährigen durch Polizeigewalt. Doch die stumpfe und zerstörerische Gewalt der vergangenen Tage hat gezeigt: Seine bisherigen Pläne sind nicht aufgegangen. Bürgermeister Jeanbrun nimmt seine Landsleute in die Pflicht und hat gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Bürgermeister in Frankreich dazu aufgerufen, heute um 12 Uhr mittags Flagge zu zeigen. "Seid eine lautstarke und nicht mehr die schweigende Mehrheit! Heute Vormittag wird sich Präsident Macron mit den Präsidenten der beiden Parlamentskammern beraten. Premierministerin Elisabeth Borne wird die Chefs und Chefinnen aller Fraktionen empfangen. Ihre Mission ist nachdenken und verstehen. In der Nacht kam am Rande der Proteste ein junger Feuerwehrmann ums Leben. Innenminister Gérald Darmanin teilte auf Twitter mit, der 24-Jährige sei in Saint-Denis nördlich von Paris beim Löschen brennender Fahrzeuge in einer Tiefgarage "trotz der schnellen Hilfe seiner Mannschaftskameraden" gestorben. Der Minister stellte zunächst keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Feuer und den gewaltsamen landesweiten Protesten her. Relativ ruhige Nacht auf den Straßen Die Gewalt auf Frankreichs Straßen scheint unterdessen abzuebben. Gemessen an den heftigen Unruhen der vergangenen Tage mit Bildern Hunderter brennender Autos und Gebäude sowie teils mehr als 1000 Festnahmen während der Nachtstunden blieb es relativ ruhig.


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