"Mehrheit der Republikaner hält Putin für besser als Biden"
- tim-news

- 7. Nov. 2022
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Oder werden die Republikaner mit Ex-Präsident Trump ihr Comeback feiern? ntv.de spricht mit Sandra Navidi über die "DNA der USA". "Die größten Stärken der USA sind ihre größten Schwächen", sagt die Wahlamerikanerin, Finanzexpertin und Bestsellerautorin. ntv.de: Amerika war und ist für viele Menschen immer noch so etwas wie das gelobte Land. Die Realität aber ist ernüchternd: Die USA sind zutiefst gespalten und verroht. Präsident Biden ist mittlerweile genauso unbeliebt wie sein Vorgänger Donald Trump. Die republikanischen Herausforderer haben den Vorteil, dass sie sich voll auf Angriff konzentrieren können. Die Republikaner sind gegen Bidens Inflationsbekämpfungsgesetz und gegen eine Übergewinnssteuer auf die Krisenprofite der Ölkonzerne, machen aber selbst keine konstruktiven Vorschläge zur Minderung der Inflation. Viele Republikaner sehen nicht ein, warum sie die Ukraine durch Waffenlieferungen und Finanzhilfen unterstützen sollten. Sie betrachten Russland nicht als Feind, sondern als ein Land, mit dem Amerika viel gemeinsam hat: Nationalismus, das konservative Christentum und erzkonservative gesellschaftliche Werte. 62 Prozent der Republikaner sind sogar der Auffassung, dass Putin ein besserer Regierungschef ist als Joe Biden. Trump hat weniger Steuern gezahlt als Menschen, die an der Armutsgrenze leben, und das vermutlich Zeit seines Lebens. In Ihrem jüngsten Buch "Die DNA der USA" versuchen Sie, der amerkanischen Identität auf den Grund zu gehen. Jeder hat in Amerika die Freiheit, sich selbst zu erfinden und seine eigene Welt zu erschaffen. Das Land hat immer Menschen angezogen, die das Risiko lieben, die große Vorstellungskraft besitzen und aus dem Nichts Neues erschaffen wollen. Mit der Zeit haben die amerikanischen Werte aber auch negative Folgen gehabt: einen kollektiven Egoismus, Narzissmus und nihilistischen Materialismus. "Alles-ist-möglich" hat ungeahnte Kräfte freigesetzt, aber auch Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen lassen. Das ist es, was die Spaltung und Feindseligkeit in der amerikanischen Gesellschaft verschärft hat. Die größten Stärken der USA sind gleichzeitig ihre größten Schwächen. Aber es hat sich ein wirtschaftliches, gesellschaftliches und rassenbasiertes Klassensystem gebildet, das es für Menschen immer schwieriger macht, aufzusteigen. Die Autorin Isabel Wilkerson beschreibt es in ihrem Buch "Caste" als "Kastensystem", in dem sich der gesellschaftliche Rang nach der ethnischen Zugehörigkeit bestimmt. Das ist für die meisten Menschen nicht mehr erschwinglich. Selbst die meisten Menschen aus der Mittelschicht sind heute ihr ganzes Leben in dem Hamsterrad eines finanziellen Überlebenskampfs gefangen. Die amerikanische Mittelschicht befinde sich "nur ein paar Monatsgehälter von der Obdachlosigkeit entfernt", schreiben Sie in Ihrem Buch. In den USA findet man sich mit dieser Ungerechtigkeit und Spaltung der Gesellschaft offenbar leichter ab ... Sie gehen davon aus, dass jemand, der es in Amerika zu Reichtum und Erfolg gebracht habe, es verdient. Sie suchen also die Schuld zuerst bei sich oder Menschen in ihrem Umfeld, wie Einwanderern, und weniger bei denjenigen, die die Regeln des Systems machen. Die Ängste und die Verunsicherung der Menschen schaffen ideale Bedingungen für die Spaltung der Gesellschaft und das Bedürfnis nach starker Führung. Die DNA der USA: Wie tickt Amerika? Wie geht die Wall Street mit diesen populistischen Strömungen und der Polarisierung der Gesellschaft um? Die politische Unberechenbarkeit - insbesondere unter Trump - hat die Ungewissheit verstärkt, und nichts ist der Finanzwelt verhasster als das. Auf dem Weltwirtschaftsforum 2022 in Davos sagte Ray Dalio, der Chef des weltweit größten Hedgefonds Bridgewater, dass der Aufstieg des Populismus in den USA und anderen Industrienationen Investoren mittlerweile größere Sorge bereite als die Zentralbankpolitik. Seiner Meinung nach ist die Entwicklung des Populismus über die nächsten ein bis zwei Jahre das wichtigste Thema der Wirtschaft. Trump und Biden liefern sich in Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Konsens ist, dass die Republikaner zumindest das Repräsentantenhaus und möglicherweise sogar den Senat zurückerobern könnten. Ich glaube allerdings, dass die Mobilisierung der Demokraten unterchätzt wird, und dass das Ergebnis nicht so klar ausfallen wird. Was allerdings klar zu sein scheint, ist, dass die Republikaner die "Wahllüge" an allen Ecken und Enden bemühen und Verluste nicht akzeptieren werden. Mit den nächsten Präsidentschaftswahlen befindet sich Amerika an einem Kipppunkt, an dem sich das Schicksal des Landes entscheiden wird. Die Republikaner propagieren einen Raubtierkapitalismus, bei dem das Recht des Stärkeren herrscht. Sie machen sich für Deregulierung und eine Verkleinerung der Regierung stark. Zwar haben viele Republikaner gegen Ende von Trumps Präsidentschaft finanzielle Hilfsmaßnahmen für die Bevölkerung unterstützt, aber das lag zuallererst an der Corona-bedingten Ausnahmesituation.

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