Mercedes-Stern-Hersteller pleite Insolvenzwelle in der Autoindustrie ist nicht mehr zu stoppen
- tim-news

- 28. Nov. 2022
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Halbleitermangel, Lieferkettenprobleme, steigende Löhne und explodierende Energiekosten: Das Marktumfeld für die deutsche Automobilindustrie ist alles andere als rosig. Symbolträchtiger könnte es kaum sein: Jetzt ist auch noch der Mercedes-Stern pleite. Es geht wohlgemerkt nicht um die Stuttgarter Nobelschmiede mit dem Stern als Markenzeichen. Nein, es geht um den Mercedes-Stern selbst und dessen Hersteller, den Zulieferer BIA aus Forst bei Bruchsal in Baden. Stetig fallende Umsätze und die Explosion der Energiekosten hätten zu rasant ansteigenden Verlusten geführt, die eine "nachhaltige Fortführung der Gesellschaft" unmöglich gemacht hätten, erklärte BIA-Geschäftsführer Jörg Püttbach kürzlich. Die Firma BIA steht exemplarisch für die Krise in der gesamten deutschen Zulieferindustrie: Auch das nordrhein-westfälische Traditionsunternehmen Borgers, Spezialist für textile Bauteile in Fahrzeugen, musste nach 156 Jahren Familientradition Insolvenz anmelden. Ebenso der oberfränkische Belüftungsspezialist Dr. Schneider, der Bauteile für den Fahrzeuginnenraum wie Verkleidungen oder Belüftungssysteme fertigt und zu dessen Kunden Audi, BMW, Mercedes, Ferrari, Jaguar Toyota und Volvo zählen. Kein Wunder, dass prominente Branchenvertreter vor dem Hintergrund des jüngsten Tarifabschlusses in der Metallindustrie - 8,5 Prozent bei einer Laufzeit von zwei Jahren - eindringlich vor einer Pleitewelle in ihren Reihen warnen. Helmut Becker schreibt für n-tv.de eine monatliche Kolumne rund um den Automarkt. Becker war 24 Jahre Chefvolkswirt bei BMW und leitet das "Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation (IWK)". Helmut Becker schreibt für ntv.de eine monatliche Kolumne rund um den Automarkt. Er war 24 Jahre Chefvolkswirt bei BMW und leitet das "Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation (IWK)". Es trifft die Großen wie die Kleinen in der Branche. Am härtesten aber trifft es - wie im richtigen Leben auch - die kleinen Zulieferer. Natürlich versuchen die Zulieferer eine Kompensation für die Kostensteigerungen von ihren Kunden zu erhalten. Aber das gelingt nur bedingt - und allenfalls den Großen. Noch nie war die Automobilindustrie so in Aufruhr wie heute, wie Thomas Burger, Präsident des Wirtschaftsverbandes der Badischen Industrie, mit 300 Zulieferern, kürzlich erklärte. Auch Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der deutschen Automobilindustrie (VDA), ist voller Sorgen ob dieses Interessengegensatzes. Vor gut zehn Jahren war die letzte, Pessimismus sei in der Branche kein Fremdwort. Die befürchtete Pleitewelle trat aber nicht ein. Nein, vielmehr weil sich die Automobilkonjunktur ebenso schnell erholte, wie zuvor der Einbruch geschehen war. Hoffnung auf eine rasche Markterholung wie ab 2010 ist nicht in Sicht. Ohne Wachstum am Automarkt ist eine Erholung der Zulieferindustrie nicht möglich. Die deutschen Premium-Autohersteller werden das überleben, viele Zulieferer nicht. Ähnlich wie 2008/2009 auf dem Finanzsektor ist diesmal auch die Politik für die Zulieferer in der Autoindustrie gefordert. Zudem sollte sich die Politik vehement für Freihandel - auch mit China - einsetzen, um künftig Störungen der internationalen Lieferketten für die Automobilindustrie zu vermeiden und strategische Wachstumshemmnisse aus dem Weg zu räumen.

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