Nasa veröffentlicht weitere Farbaufnahmen des »James Webb«-Teleskops
- tim-news

- 13. Juli 2022
- 4 Min. Lesezeit
Es ist eine Sternstunde für die gesamte Weltraum-Forschung! In der Nacht zu Dienstag präsentierte die Nasa das erste Bild des neuen James-Webb-Teleskops.
Jetzt die volle Pracht! Die Weltraumbehörde zeigt vier weitere, spektakuläre Aufnahmen vom Ursprung unseres Universums. Die superscharfen Infrarotbilder zeigen Galaxien und Sterne in einer Brillanz und Schönheit, wie wir sie noch nie zuvor gesehen haben. Wir schauen in die Zeit kurz nach dem Urknall. Damals, als die Geschichte begann ...
BILD erklärt das Riesen-Teleskop, die neuen Aufnahmen und beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.
Sehen wir hier wirklich den Moment der Zeugung unseres Universums?
Der Wissenschaftsdirektor der Europäischen Weltraumagentur ESA, Prof. Günther Hasinger, zu BILD: „Ja, wir schauen direkt in die Kinderstube, oder besser gesagt, in den Kreißsaal des Universums. Dort, wo alles angefangen hat. Das Universum war zu Beginn ein heißer Feuerball, der sich nach dem Urknall ausgedehnt hat. Es ist das Embryo-Bild des Weltalls.“
Warum dreht sich auf dem ersten Bild offenbar alles?
Prof. Hasinger: „Wir sehen hier im Vordergrund einen hell leuchtenden Galaxienhaufen, bestehend aus Tausenden einzelnen Galaxien. Auch unsere Milchstraße ist eine Galaxie. Sie schwimmen im Bad der dunklen Materie, aus der 80 Prozent des Alls bestehen. Diese dunkle Materie wirkt wie eine Linse.
Es ist so, als würden wir durch ein volles Glas mit Weißwein auf eine Wand dahinter schauen. Der Blick wird verzerrt. Die kleinen Fäden, die wir sehen, sind Galaxien, die noch hinter dem Haufen stehen. Die am weitesten entfernt liegenden Objekte schimmern nur noch schwach rot.“
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Was ist der Urknall?
Das Wort Knall ist eigentlich falsch, weil es eigentlich keinen richtigen Knall gab.
Prof. Hasinger: „Die gesamte Materie lag früher viel näher beieinander. Sehr dicht komprimiert. Ein Vergleich: Es war damals so, als wenn man einen Fahrradreifen aufpumpt. Das Gas bzw. die Luft wird immer heißer, weil sie komprimiert wird. Und irgendwann fliegt alles auseinander."
Heute kann man anhand der Ausdehnung des Universums exakt ausrechnen, wann es diesen Urknall gegeben hat, nämlich vor rund 13,8 Mrd. Jahren. Dort schauen wir gerade hin.
Was macht die Faszination der neuen Bilder aus?
Prof. Günther Hasinger: „James Webb ist eine gigantisch starke Maschine. Die Farbenpracht und das Glitzern der Bilder sprechen unser Auge direkt an. Aber wenn ich als Forscher in das Bild hineinzoome, kann ich sehen, was da alles im Hintergrund passiert. Und das deutlicher als je zuvor.“
Und das sind die weiteren Bilder, die James Webb zur Erde gefunkt hat!
Der Carina-Nebel
Dieser Nebel ist ungefähr 7600 Lichtjahre von der Erde entfernt und liegt im Sternbild „Kiel des Schiffs“. Er ist einer der hellsten und größten Nebel an unserem südlichen Nachthimmel.
Was nach zerklüfteten Bergen am Abend aussieht, ist eigentlich der Rand einer nahe gelegenen, sternbildenden Region NGC 3324 im Carina-Nebel
Foto: NASA, ESA, CSA, STScI, Webb ERO
Hier entstehen sehr viele neue Sterne, darunter einige der größten und heißesten bekannten Sterne in dieser Region. Sie können zehnmal heißer und hundertmal größer wie unsere Sonne sein.
Der südliche Ringnebel
Dieser ringförmige Nebel, eine Gaswolke, befindet sich ebenfalls am Südhimmel. Er ist 2000 Lichtjahre entfernt von uns und liegt im Sternbild „Segel des Schiffs.“ Er umgibt einen sterbenden Stern.
Zum ersten Mal wurde der Staubmantel um diesen Stern in der Mitte des südlichen Ringnebels enthüllt. Darin verbirgt sich ein dichter, weißer Zwergstern
Foto: NASA, ESA, CSA, STScI, Webb ERO
Die Galaxiengruppe Stephans Quintett
Hier haben sich fünf Galaxien zu einer erstmals entdeckten Galaxiengruppe versammelt. Sie ziehen sich gegenseitig an, verformen sich und werden in Zukunft wohl verschmelzen. Die Gruppe ist 290 Millionen Lichtjahre entfernt von uns und liegt im Sternbild des „Pegasus“.
Eine Gruppe von fünf Galaxien, die am Himmel nah beieinander scheinen: zwei in der Mitte, eine oben, eine oben links (ganz schwach zu erkennen) und eine unten
Foto: NASA/via REUTERS
Und das sind die Fakten zu James Webb
James Webb ist der Nachfolger des Hubble-Teleskops, das vor 30 Jahren seine Arbeit aufgenommen hat und bis zum Auftauchen von James Webb die schönsten Bilder aus dem All gesendet hat. Aber James Webb kostete mehr und kann technisch eben auch viel mehr.
Quelle: info.bild.de
Vergleich zwischen James Webb und Hubble
▶︎ James Webb kostete zehn Milliarden Euro, Hubble zwei Milliarden.
▶︎ James Webb ist 1,5 Mio. Kilometer von der Erde entfernt, das ist die vierfache Strecke zum Mond. Hubble kreist nur 570 Kilometer um die Erde.
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▶︎ Der Hauptspiegel von James Webb hat einen Durchmesser von 6,5 Metern, Hubbles Spiegel ist nur 2,4 Meter groß.
▶︎ James Webb blickt 13,5 Mrd. Jahre zurück, fast bis zum Urknall, der vor 13,8 Mrd. Jahren stattfand. Hubble schafft nur die Strecke von 2,5 Mrd. Jahren.
▶︎ Insgesamt hat James Webb mit seinen vier Instrumenten eine hundertmal größere Sensitivität als Hubble!
▶︎ James Webb misst das Infrarotlicht im All. Das kennen wir von Infrarot-Lampen, die nicht nur rotes Licht machen, sondern vor allem auch Wärme ausstrahlen, z.B. um unseren Rücken zu erhitzen.
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Der deutsche Beitrag zu James Webb
▶︎ Die Ariane-5-Rakete, mit der das Teleskop ins Weltall gebracht wurde, ist zum Großteil von Airbus in Deutschland gebaut worden.
▶︎ Zwei der vier Instrumente an Bord wurden in Europa und zum Teil in Deutschland entwickelt. Aus Deutschland sind das Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) aus Heidelberg und die Universität zu Köln maßgeblich beteiligt.
Quelle: NASA

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