Putin spricht mit Scholz, Russland meldet Kontrolle über Lyman
- tim-news

- 30. Mai 2022
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Im Osten der Ukraine wird um Sjewjerodonezk und Lyssytschansk gekämpft. Die benachbarten Städte sind die letzten größeren Gebiete in der Region Luhansk im Donbass, dem industriellen Kernland der Ukraine, die noch von ukrainischen Kräften kontrolliert werden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagt, die Situation im Osten sei schwierig. Er zeigt sich aber hoffnungsvoll, dass sein Land mithilfe westlicher Waffen und Sanktionen siegen könne.
Russlands Militär behauptet, die vollständige Kontrolle über die strategisch wichtige Kleinstadt Lyman erlangt zu haben. "Durch das gemeinsame Vorgehen von Einheiten der Donezker Volksrepublik und der russischen Streitkräfte wurde die Stadt Krasny Liman vollständig von ukrainischen Nationalisten befreit", sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. "Krasny Liman" ist die noch aus sowjetischer Zeit stammende Bezeichnung für Lyman.
In einem 80-minütigen Telefonat haben Bundeskanzler Olaf Scholz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu direkten Verhandlungen mit Selenskyj aufgefordert. Putin soll seine Bereitschaft zum Ausdruck gebracht haben, die Gespräche mit der Ukraine wieder aufzunehmen. Er warnte aber Deutschland und Frankreich vor weiteren Waffenlieferungen an die Ukraine. Dadurch bestehe das Risiko, dass sich in der Ukraine "die Situation weiter destabilisiert und die humanitäre Krise verschärft". Scholz und Macron forderten einen unverzüglichen Waffenstillstand und einen Abzug der russischen Truppen, wie ein Sprecher der Bundesregierung mitteilte.
Wolodymyr Selenskyj hat mit dem britischen Premierminister Boris Johnson gesprochen. In dem Telefonat sei es konkret um die "Stärkung der Verteidigung der Ukraine, die Intensivierung der Arbeit an Sicherheitsgarantien und die Lieferung von Treibstoff an die Ukraine" gegangen, twitterte Selenskyj. "Wir müssen zusammenarbeiten, um eine Nahrungsmittelkrise zu verhindern und die Häfen der Ukraine freizugeben."
Die Ereignisse des Tages im Überblick:
Wladimir Putin hat Bundeskanzler Olaf Scholz und Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron in einem Telefonat offenbar vor weiteren Waffenlieferungen in die Ukraine gewarnt. Dadurch bestehe das Risiko, dass sich in der Ukraine "die Situation weiter destabilisiert und die humanitäre Krise verschärft", meldet der Kreml. Scholz und Macron haben den russischen Präsidenten zu "ernsthaften direkten Verhandlungen" mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj aufgefordert.
Nach Angaben des Generalstabs hat das ukrainische Militär in den vergangenen 24 Stunden acht russische Angriffe in den Regionen Donezk und Luhansk abgewehrt. Ein russischer Artillerieangriff auf Sjewjerodonezk sei ohne Erfolg gewesen. In der ostukrainischen Oblast Luhansk sollen sich nach Angaben von Gouverneur Serhij Hajdaj rund 10.000 russische Soldaten aufhalten.
Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow hat die Lieferung verschiedener schwerer Waffen bestätigt. Demnach haben die USA 100 Selbstfahrhaubitzen geliefert, hinzu kommen Harpoon-Raketen zur Küstenverteidigung aus Dänemark.
Russlands Militär will eigenen Angaben zufolge die vollständige Kontrolle über die strategisch wichtige Kleinstadt Lyman erlangt haben.
Russland hat nach eigenen Angaben erneut eine Hyperschallrakete getestet. Die Rakete vom Typ Zirkon sei von einer Fregatte in der Barentssee in Richtung eines Ziels im Weißen Meer in der Arktis abgefeuert worden, teilte das Verteidigungsministerium mit. Das Ziel in einer Entfernung von rund tausend Kilometern sei "mit Erfolg anvisiert" worden.
Flüchtlinge aus der russisch besetzten Oblast Cherson können nicht mehr in den von der Regierung in Kiew kontrollierten Teil des Landes ausreisen. Ausreisen aus dem Gebiet Cherson seien stattdessen über die Halbinsel Krim oder den russisch kontrollierten Teil des Gebiets Saporischschja möglich, sagte der Vizechef der prorussischen Militärverwaltung Kirill Stremoussow. Mit der Schließung der Grenzen soll offenbar die Fluchtbewegung in die nicht von Russland besetzten Gebiete unterbunden werden.
Dem früheren ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko ist nach eigenen Angaben die Ausreise für einen Besuch in Litauen verweigert worden. Poroschenko wollte als Mitglied der ukrainischen Delegation an der Frühjahrstagung der Parlamentarischen Versammlung der Nato in Vilnius teilnehmen und auch Präsident Gitanas Nausėda treffen. Der Pressedienst des Ex-Präsidenten sprach von einem möglichen Bruch des in Kriegszeiten geltenden "politischen Waffenstillstands", der einer der "Pfeiler der nationalen Einheit angesichts der russischen Aggression" sei.
Russland rechnet damit, in diesem Jahr durch den Export von fossilen Brennstoffen wie Gas umgerechnet 13,7 Milliarden Euro mehr einzunehmen. "Wir erwarten bis zu einer Billion Rubel mehr an Öl- und Gaseinnahmen", sagte Finanzminister Anton Siluanow im staatlichen Fernsehen. Das Geld soll neben zusätzlichen Zahlungen für Rentner und Familien mit Kindern in den Krieg in der Ukraine fließen.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Die Grünen) hat den an Deutschland gerichteten Vorwurf mangelnder Unterstützung für die Ukraine zurückgewiesen. Er sagte der Welt am Sonntag: "Während wir reden, werden gerade ukrainische Soldaten an der Panzerhaubitze 2000 ausgebildet." In Kürze werde Deutschland diese Waffen in die Ukraine liefern. "Es ist also keineswegs so, dass Deutschland nichts oder zu wenig liefert." Richtig sei, dass Berlin nicht alle Wünsche der Ukraine erfüllen könne.
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quelle: zeit.de

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