Selenskyj verhängt Sanktionen gegen Putin
- tim-news

- 10. Juni 2022
- 13 Min. Lesezeit
Auch die Ukraine hat Sanktionen gegen die russische Regierung beschlossen. Die reagiert mit Spott. Und: Ein Gericht der separatistischen Donezker Volksrepublik (DVR) hat drei ausländische Soldaten zum Tode verurteilt. Mehr im Liveticker.
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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Sanktionen gegen den russischen Staatschef Wladimir Putin und sämtliche Mitglieder der russischen Regierung beschlossen. Selenskyj unterzeichnete ein Dekret, das am Donnerstag in Kraft trat, wie aus einer Kopie davon hervorgeht, die auf der Webseite der ukrainischen Präsidentschaft veröffentlicht wurde. Zudem bestrafte er 236 russische Universitäten und deren Leitungen.
Der ukrainische Sicherheits- und Verteidigungsrat stimmte den Sanktionen zu. Damit wird den Betroffenen eine Einreise in die Ukraine verboten.
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Der russische Bildungsminister Sergej Krawzow sagte der Nachrichtenagentur Interfax, mit ihrem Beschluss zeige die ukrainische Regierung, dass sie nicht dazu in der Lage sei, „die Situation zu kontrollieren. Es ist eine Geste der Verzweiflung“, sagte Krawzow.
Ein Gericht der separatistischen Donezker Volksrepublik (DVR) hat derweil drei ausländische Kämpfer in den Reihen der ukrainischen Streitkräfte als Söldner zum Tode verurteilt. Bei den Angeklagten handelt es sich um zwei Briten und einen Marokkaner. Sie sollen in der international nicht anerkannten Volksrepublik innerhalb eines Monats gegen das Urteil noch Berufung einlegen können. Der Prozess gegen die drei Männer hatte am Mittwoch unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit begonnen. Ihnen werden Handlungen zur gewaltsamen Machtergreifung vorgeworfen. Laut Gericht haben die Angeklagten „ihre Schuld gestanden“. Einer der Männer habe zudem „zugegeben, in Terroranschlägen geschult worden zu sein“.
Die beiden Briten waren Mitte April in der südostukrainischen Hafenstadt Mariupol von prorussischen Kräften gefangen genommen worden. Beide hatten laut Medienberichten schon vor dem Krieg in der Ukraine gelebt und auch dort geheiratet.
Dieses von der russischen Staatsagentur Tass zur Verfügung gestellte Foto soll einen der angeklagten Briten vor Gericht zeigen
Dieses von der russischen Staatsagentur Tass zur Verfügung gestellte Foto soll einen der angeklagten Briten vor Gericht zeigen
Quelle: pa/dpa/TASS/Vladimir Gerdo
Nach dem russischen Einmarsch kämpften sie auf der Seite der ukrainischen Armee. Ausländer würden nicht als Kombattanten gelten und auf sie würden auch nicht die internationalen Gesetze zum Schutz von Kriegsgefangenen angewendet, drohte jüngst der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow.
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Die britische Regierung reagierte „zutiefst besorgt“ auf das Urteil. Gemäß den Genfer Konventionen hätten Kriegsgefangene Anspruch auf Immunität und „sollten nicht wegen Teilnahme an Kampfhandlungen strafrechtlich verfolgt werden“, erklärte ein Sprecher von Premierminister Boris Johnson. Auch Außenministerin Liz Truss verurteilte die Gerichtsentscheidung auf Twitter „auf das Schärfste“ und sprach von einem „Scheinurteil ohne Legitimität“.
Die Familie eines der Männer hatte Ende April erklärt, dieser sei 2018 in die Ukraine gezogen, habe dort seine Freundin kennengelernt und sich schließlich in Mykolajiw niedergelassen. Er sei der ukrainischen Marine beigetreten und habe fast vier Jahre lang dort gedient. „Er ist entgegen der Kreml-Propaganda kein Freiwilliger, Söldner oder Spion“, erklärte die Familie.
Auch die Familie eines weiteren Gefangenen hatte erklärt, dieser sei „weder ein Freiwilliger noch ein Söldner, sondern diente im Einklang mit dem ukrainischen Gesetz offiziell in der ukrainischen Armee“. Er war demnach 2018 in die Ukraine gezogen und hatte eine Ukrainerin geheiratet.
Alle Entwicklungen im Liveticker:
20:35 Uhr – Russische Truppen zielen auf Saporischschja
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Die russischen Truppen wollen nach Angaben eines ranghohen ukrainischen Militärvertreters ihre Offensive auf die südukrainische Region Saporischschja fortsetzen. Ihr Ziel sei es, die Gegend komplett einzunehmen, sagte Olexei Gromow vom ukrainischen Generalstab. Die Russen würden wahrscheinlich von der südukrainischen Region Cherson aus angreifen, die mehrheitlich von Russland kontrolliert wird, sagte Gromow.
Russland hatte den südlichen Teil von Saporischschja in der Anfangszeit seines Kriegs in der Ukraine eingenommen. Dazu gehört auch eine wichtige Atomanlage. Die ukrainische Regierung kontrolliert den Norden von Saporischschja mit der gleichnamigen Hauptstadt der Region.
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19:42 Uhr – Russische Energie-Einnahmen höher als vor dem Krieg
Die russischen Energie-Einnahmen dürften nach Einschätzung eines US-Regierungsvertreters derzeit höher sein als kurz vor dem Ukraine-Krieg. Grund dafür sei, dass die weltweiten Preisanstieg die Auswirkungen der westlichen Sanktionen zur Beschränkung der Energieverkäufe wettmachten, sagt der US-Sondergesandte für Energiesicherheit, Amos Hochstein, zu Abgeordneten bei einer Anhörung.
Zudem sei der Anstieg der globalen Ölnachfrage seitens der Verbraucher im Zuge der Abschwächung der Corona-Pandemie stärker ausgefallen als man vorhergesagt habe. Dies habe auch zu Preissprüngen geführt. Zugleich sei es Russland gelungen, Öl mit Rabatt an andere Abnehmer zu verkaufen.
19:00 Uhr – Ernte in der Ukraine könnte um 40 Prozent einbrechen
Wegen des Kriegs könnte die Ernte in der Ukraine im nächsten Jahr nach Einschätzung der Kiewer Regierung um bis zu 40 Prozent geringer ausfallen. „Wir haben 25 Prozent der Anbaufläche verloren“, sagte der stellvertretende Minister für Agrarpolitik und Ernährung, Taras Wyssotzkyj, dem US-Sender CNN. „Was die Mengen angeht, ist es natürlich mehr.“ Er gehe davon aus, dass die Ernte um 35 bis 40 Prozent oder rund 30 Millionen Tonnen zurückgehen werde. Der Vizeminister beschuldigte Russland, in den von russischen Truppen besetzten Gebieten in der Ukraine 500.000 Tonnen Getreide gestohlen zu haben.
Die Ukraine ist einer der größten Getreideproduzenten der Welt. Russland unterbindet die Ausfuhr von 20 Millionen Tonnen Getreide vor allem nach Nordafrika und Asien, ein Großteil davon im Hafen von Odessa.
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18:16 Uhr – 5,5 Millionen Ukrainer in EU-Länder geflohen
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben sich nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex mehr als 5,5 Millionen Ukrainer in EU-Mitgliedsländern in Sicherheit gebracht. Unter Berücksichtigung der Geflüchteten mit nicht-ukrainischer Staatsangehörigkeit seien es insgesamt 7,3 Millionen Menschen, teilte die Behörde am Donnerstag mit.
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Seit Kriegsbeginn am 24. Februar seien aber mittlerweile mehr als 2,6 Millionen Ukrainer aus EU-Ländern wieder in ihr Heimatland eingereist. Derzeit liege die tägliche Zahl der Ukraine-Rückkehrer höher als die Zahl derer, die aus dem vom Krieg verwüsteten Land in die EU ausreisen wollten.
18:02 Uhr – Mindestens 13 Menschen sterben bei Beschuss im Separatistengebiet
Im ostukrainischen Separatistengebiet Luhansk sind in der Stadt Stachanow mindestens 13 Menschen durch Raketenwerferbeschuss getötet worden. „Es sind etwa 20 Raketen des Typs Uragan eingeschlagen“, teilte Republikchef Leonid Passetschnik mit. Zudem seien mindestens sechs Verletzte aus den Trümmern geborgen worden.
Die moskautreuen Separatisten warfen der ukrainischen Armee vor, ein Wohngebiet beschossen zu haben. Ukrainische Stellungen befinden sich in etwa zwölf Kilometer Entfernung von der Industriestadt.
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17:13 Uhr – Finnland plant Barrieren an Grenze zu Russland
Finnlands Regierung bereitet ein Gesetz vor, um die Grenze zu Russland mit dem Bau eines Zauns stärker sichern zu können. Damit reagiert Finnland auf Befürchtungen, Russland könne als Teil einer hybriden Kriegsführung gezielt Migranten anlocken, um sie zum Grenzübertritt nach Finnland beziehungsweise in die EU zu bewegen. Die Regierung werde auf Rat des Grenzschutzes entscheiden, an welchen Stellen der 1300 Kilometer langen Grenze zu Russland Barrieren angebracht werden sollten, sagt Innenministerin Krista Mikkonen.
17:04 Uhr – Acht schwer verletzte ukrainische Soldaten werden in Borna versorgt
In Borna sollen acht schwer verletzte ukrainische Soldaten versorgt werden. In enger Abstimmung mit dem Landkreis Leipzig und dem Sana Klinikum werde der Transport der Männer nach Borna organisiert, um sie behandeln und mit den notwendigen therapeutischen Maßnahmen optimal versorgen zu können, teilte die Stadt Borna am Donnerstag mit.
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16:26 Uhr – Kommandeur: Häuserkampf in Sjewjerodonezk
In der ostukrainischen Stadt Sjewjerodonezk wird nach den Worten von Militär-Kommandeur Petro Kusyk um jedes Haus gekämpft. Die gesamte Stadt liege unter Artilleriefeuer der russischen Streitkräfte, das Soldaten beider Seiten gefährde. „Der gestrige Tag war für uns erfolgreich. Wir sind zum Gegenangriff übergegangen, und in einigen Gebieten konnten wir sie um einen oder zwei Blocks zurückdrängen. In anderen haben wir sie buchstäblich um ein oder zwei Häuser zurückgedrängt“, sagt er im Fernsehen.
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16:08 Uhr – Union dringt auf EU-Kandidatenstatus für Ukraine, Moldau und Georgien
Die CDU/CSU dringt darauf, der Ukraine, aber auch Georgien und Moldau den EU-Kandidatenstatus einzuräumen. Laut einem Bericht von WELT bereitete die Unionsfraktion einen Bundestags-Antrag vor, mit dem die Bundesregierung aufgefordert werden soll, dies zu unterstützen. Der Wunsch der drei Länder nach EU-Mitgliedschaft dürfte auf dem EU-Gipfel am 23. Juni zur Sprache kommen.
15:59 Uhr – Heftige Kämpfe: Ukrainer wehren sich in entscheidender Schlacht
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In der Stadt Sjewjerodonezk haben sich ukrainische Soldaten am Donnerstag weiter in erbitterten Kämpfen gegen eine russische Übermacht zur Wehr gesetzt. Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Schlacht um die Stadt im Osten des Landes mit einst mehr als 100 000 Einwohnern als die vielleicht schwerste des Krieges.
In Bunkern unter der Chemiefabrik Azot haben sich ukrainische Soldaten und Zivilisten in Sicherheit gebracht. Das erinnert fatal an das Asow-Stahlwerk in Mariupol, wo die letzten ukrainischen Verteidiger nach wochenlangen Abwehrkämpfen und heftigen russischen Bombardierungen am 21. Mai in russische Gefangenschaft gegangen waren.
15:27 Uhr – Johnson: Dürfen Ukraine nicht zu nachteiligem Friedensabkommen drängen
Der britische Premierminister Boris Johnson hat westliche Staaten davor gewarnt, die Ukraine zu einem Friedensabkommen zu ihrem Nachteil mit Russland zu drängen. Versuche, der Ukraine einen „schlechten Frieden“ mit territorialen Zugeständnissen an Russland aufzuzwingen, seien „moralisch abstoßend“, sagte Johnson am Donnerstag in einer Rede in Blackpool. „Wir sind einfach nicht in der Position, ihnen zu sagen, was sie tun sollen.“
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15:24 Uhr – Putin befreit Exporteure von der Tauschpflicht für Deviseneinnahmen
Angesichts des drastisch gestiegenen Rubelkurses hat Russlands Präsident Wladimir Putin die Exporteure von der Pflicht befreit, generell 50 Prozent ihrer Deviseneinnahmen in die Landeswährung tauschen zu müssen. Künftig werde eine Regierungskommission bestimmen, wieviel der Einnahmen sie zum Umtausch abführen müssen, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Präsidentenerlass.
15:17 Uhr – Von der Leyen fordert nachhaltigen Wiederaufbau der Ukraine
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat einen nachhaltigen Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg gefordert. „Wir werden die Ukraine wieder aufbauen. Das ist nicht nur in unserem Interesse, sondern auch unsere moralische Pflicht“, sagte die 63-Jährige am Donnerstag in Rom in einer Diskussionsrunde anlässlich des Auftakts zum Festival „Neues Europäisches Bauhaus“. „Aber wenn wir das machen, dann machen wir es auch richtig.“
Von der Leyen zufolge stand am Donnerstagnachmittag eine Debatte mit dem Bürgermeister der vom Krieg schwer zerstörten Stadt Mariupol und ukrainischen Architekten an. Die Ukraine solle im Geist des „Neuen Europäischen Bauhaus“ aufgebaut werden, das im Zuge des EU-Plans für Klimaneutralität (Grüner Deal) auf Nachhaltigkeit abzielt.
14:54 Uhr – EU stellt Ukraine weitere 205 Millionen Euro zur Verfügung
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Die EU stellt der Ukraine aufgrund einer sich verschärfenden humanitären Notlage weitere 205 Millionen Euro zur Verfügung. „Mit diesen Mitteln sorgen unsere humanitären Partner für Nahrungsmittel, Wasser, medizinische Versorgung, Unterkünfte, Schutz und Bargeldhilfen“, sagte der für EU-Krisenmanagement zuständige Kommissar Janez Lenarcic während eines Ukraine-Besuches am Donnerstag.
14:39 Uhr – UN: 7,3 Millionen Menschen vor Russlands Krieg aus Ukraine geflüchtet
Rund 7,3 Millionen Menschen sind laut UN seit Beginn des russischen Angriffskrieges vor dreieinhalb Monaten aus der Ukraine geflüchtet. Die Menschen hätten Zuflucht in 44 Ländern Europas gefunden, teilte das Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Donnerstag in Genf mit. Gleichzeitig versuchten Millionen Binnenflüchtlinge innerhalb der Ukraine, der Gewalt zu entkommen.
Es handele sich um eine der größten Flüchtlingskrisen auf der Welt. Das UNHCR teilte ferner mit, dass 2,3 Millionen Menschen aus der Ukraine, die ins Ausland geflüchtet waren, wieder zurückgekehrt seien. Einige von ihnen kämen zurück, um die Lage zu beurteilen, Eigentum zu überprüfen, Familienmitglieder zu besuchen oder ihnen bei der Flucht zu helfen. Andere gingen in die Westukraine und in die Gebiete um Kiew und Tschernihiw, mit der Absicht zu bleiben.
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14:33 Uhr – Voraussichtlich kommende Woche nächste Entscheidung zum EU-Beitritt der Ukraine
Die EU-Kommission wird voraussichtlich kommende Woche Freitag (17. Juni) ihre Empfehlung darüber abgeben, ob der Ukraine der EU-Kandidatenstatus gewährt werden sollte. Bereits am Montag werde das Kollegium der Kommissare eine Orientierungsdebatte darüber halten, sagte ein Sprecher der Brüsseler Behörde am Donnerstag.
Dabei werde es auch um die Beitrittsanträge von Moldau und Georgien gehen. Der Sprecher betonte, dass die Planung noch nicht endgültig sei. Nach der Empfehlung der EU-Kommission will der EU-Gipfel am 23. und 24. Juni über den Antrag der Ukraine beraten.
13:59 Uhr – Deutschland und Polen wollen Ukraine bei Getreideexport helfen
Deutschland und Polen wollen die Ukraine gemeinsam beim Export von Getreide unterstützen. Er habe mit seinem polnischen Amtskollegen Henryk Kowalczyk darüber beraten, wie Deutschland konkret bei der Abfertigung der Transporte helfen könne, sagte Bundesagrarminister Cem Özdemir am Donnerstag nach dem Treffen in Warschau.
Die Schwierigkeit sei, das Getreide aus der Ukraine herauszubekommen, „weil wir nicht in der Lage sind, die Menge, um die es da geht, über die Alternativrouten abzutransportieren“, betonte der Grünen-Politiker. Deshalb sei es besonders wichtig, der Ukraine bei der Zurückgewinnung ihrer Souveränität zu helfen, damit sie so schnell wie möglich wieder als Produzent auf dem Weltmarkt agieren könne.
12:57 Uhr – Kiew: jeden Tag „bis zu hundert getötete ukrainische Soldaten“
Die Ukraine verzeichnet in den Kämpfen mit der russischen Armee Tag für Tag „bis zu hundert getötete Soldaten und bis zu 500 verwundete“ Soldaten. Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow erklärte am Donnerstag, die Lage an den Frontlinien in der östlichen Donbass-Region sei schwierig.
„Der Kreml übt weiter Druck mit schierer Masse aus, gerät ins Stolpern, stößt auf starken Widerstand und erleidet hohe Verluste“, hieß es in der in Onlinediensten veröffentlichten Erklärung Resnikows. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die Zahl der täglich getöteten ukrainischen Soldaten Anfang Juni mit 60 bis 100 beziffert.
12:36 Uhr – Parteiausschlussverfahren gegen Gerhard Schröder: SPD Hannover verschiebt Anhörung wegen Krankheitsfall in der Schiedskommission
Die für den kommenden Mittwoch geplante Eröffnung des SPD-Parteiordnungsverfahrens gegen den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder wird nach Angaben des zuständigen SPD-Unterbezirks Region Hannover verschoben. Die Anhörungen zu den insgesamt 17 Anträgen auf Parteiausschluss werden nicht wie bisher geplant am 15. Juni stattfinden. Sie sollen stattdessen eine Woche später, am 22. Juni beginnen. Das bestätigte der Geschäftsführers des SPD-Unterbezirks, Christoph Matterne, auf Anfrage von WELT. Grund für die Verschiebung ist eine Erkrankung eines der drei Mitglieder der Schiedskommission. Für das Verfahren sind bisher zwei Sitzungstage vorgesehen.
Zu der Sitzung der Schiedskommission werden bis zu 51 Vertreter jener 17 SPD-Gliederungen erwartet, die den Parteiausschluss des Ex-Kanzlers wegen dessen Russland-Engagement beantragt haben. Schröder selbst hatte ankündigen lassen, dass er der Sitzung fernbleiben wolle. Anträge auf Parteiausschluss Schröders liegen unter anderem aus dem SPD-Kreisverband Heidelberg, dem Unterbezirk Würzburg sowie verschiedenen SPD-Ortsvereinen aus Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Berlin, Hessen und Sachsen vor. Die Parteigliederungen werfen dem früheren Bundeskanzler vor, der SPD durch sein Engagement für russische Staatskonzerne und seine fehlende Distanzierung vom russischen Präsidenten Wladimir Putin schweren Schaden zugefügt zu haben.
12:19 Uhr – EU-Kommission setzt auf rasche Beschlagnahme russischer Vermögenswerte
Die EU-Kommission hofft auf rasche Fortschritte bei der Beschlagnahme russischer Jachten oder Villen zugunsten der angegriffenen Ukraine. Justizkommissar Didier Reynders sagte am Donnerstag am Rande von Beratungen der EU-Justizminister in Luxemburg, er sehe bei diesem Thema „nahezu Einstimmigkeit“ bei den Mitgliedstaaten.
12:01 Uhr – Ukraine meldet Rückeroberungen in Region Cherson
Das ukrainische Verteidigungsministerium berichtet von einer Gegenoffensive in der südukrainischen Region Cherson. Dabei sei einiges an Territorium zurückerobert worden, teilt das Ministerium in Kiew mit. Russland habe Soldaten und Material verloren. Bei ihrem Rückzug würden die russischen Truppen Gelände verminen und Barrikaden errichten.
11:30 Uhr – Polen fordert Ende von Telefonaten mit Putin – „Hat jemand so mit Hitler gesprochen?“
Polens Präsident Andrzej Duda kritisiert die Telefonate von Bundeskanzler Olaf Scholz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin. „Diese Gespräche bringen nichts. Sie bewirken nur eine Legitimierung eines Menschen, der verantwortlich ist für Verbrechen, die von der russischen Armee in der Ukraine begangen werden“, sagte Duda zu „Bild“.
„Hat jemand so mit Adolf Hitler im Zweiten Weltkrieg gesprochen? Hat jemand gesagt, dass Adolf Hitler sein Gesicht wahren können muss?“. Solche Stimmen kenne er nicht. „Alle wussten: Man muss ihn besiegen.“
10:56 Uhr – Örtliche Behörden: heftige Straßenkämpfe in Sjewjerodonezk
In der ostukrainischen Stadt Sjewjerodonezk gibt es den örtlichen Behörden zufolge heftige Straßenkämpfe. Das russische Militär nehme jene Viertel unter Beschuss, die noch unter ukrainischer Kontrolle seien, erklärt der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Gaidai. Russische Truppen zerstörten „alles, was zur Verteidigung genutzt“ werden könne. Sobald das ukrainische Militär aber über Langstrecken-Waffen verfüge, könne es die Stadt „aufräumen“, so Gaidai.
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10:23 Uhr – Bürgermeister: Evakuierung von Sjewjerodonezk nicht möglich
Eine Evakuierung von Sjewjerodonezk ist nach Angaben des Bürgermeisters nicht mehr möglich. Etwa 10.000 Zivilisten seien noch in der Stadt, sagt Olexander Strjuk. Ukrainische Kräfte kontrollierten unterdessen weiterhin das Industriegebiet und angrenzende Bereiche. Die Lage sei schwierig, aber zu bewältigen.
11:36 Uhr – Buschmann: Russische Oligarchen in bestimmten Fällen enteignen
Bundesjustizminister Marco Buschmann hat sich offen dafür gezeigt, russische Oligarchen zu enteignen und deren Vermögen für den Wiederaufbau der Ukraine zu nutzen. Man müsse einen Unterschied zwischen staatlichem und privatem Vermögen machen, sagte der FDP-Politiker am Donnerstag am Rande eines EU-Treffens in Luxemburg.
Bei Privatvermögen bestehe die Möglichkeit, Vermögensgegenstände „abzuschöpfen“. Voraussetzung sei, dass vor Gericht nachgewiesen werde, dass Verdächtige etwa an Kriegsverbrechen oder der illegalen Kriegsführung beteiligt waren.
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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj prangert die russische Blockade ukrainischer Schwarzmeer-Häfen an. Die Welt stehe am Rande einer „fürchterlichen Nahrungskrise“, weil die Ukraine große Mengen an Getreide, Ölen und anderen Agrarprodukten nicht exportieren könne, sagt Selenskyj in einer im Fernsehen übertragenen Rede.
„Millionen Menschen könnten Hunger leiden, wenn die russische Blockade im Schwarzen Meer anhält.“ Russische Kriegsschiffe kontrollieren das Schwarze Meer und das Asowsche Meer, über die die Ukraine vor dem Krieg große Mengen an Lebensmitteln verschifft hat.
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09:57 Uhr – Selenskyj: Russland noch zu stark für Verhandlungen
Russland sieht sich nach Einschätzung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Krieg gegen sein Land in einer Position der Stärke. Amerikanischen Geschäftsleuten sagte Selenskyj, der Kreml sei deshalb nicht zu Verhandlungen bereit, „weil Russland immer noch seine Macht spüren kann“. In der Videokonferenz forderte er: „Wir müssen Russland schwächen und die Welt sollte das tun.“
08:20 Uhr – Lauterbach will Schwerverletzten in Ukraine helfen
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will an diesem Donnerstag bei einem Besuch in der Ukraine deutsche Hilfe bei der Versorgung von Verletzten anbieten. Dies kündigte der SPD-Politiker im Deutschlandfunk an. Dabei gehe einerseits um Behandlungen in Deutschland, aber auch um die Versorgung Verletzter in dem kriegsgeplagten Land selbst. Lauterbach nannte konkret Hilfen für Menschen mit schweren Verbrennungen sowie für Menschen, die im Krieg Gliedmaßen verloren haben.
07:20 Uhr – Selenskyj-Berater: Heftiger russischer Beschuss von Sjewjerodonezk
Russlands Truppen haben im Kampf um das ostukrainische Sjewjerodonezk laut einem Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj ihre Taktik geändert. Die russischen Soldaten hätten sich aus der Stadt zurückgezogen und würden diese nun mit Artillerie beschießen, sagte Olexij Arestowytsch am Mittwoch in seinem täglichen Online-Interview. Auch Luftangriffe flögen die russischen Truppen auf Sjewjerodonezk. Das Zentrum der Stadt sei infolgedessen menschenleer.
„Sie haben sich zurückgezogen, unsere Truppen haben sich zurückgezogen, also trifft die Artillerie einen leeren Platz. Sie schlagen hart zu, ohne besonderen Erfolg“, sagte Arestowytsch.
02:07 Uhr - VW bietet Arbeitern in russischem Werk Abfindungen an
Volkswagen bietet einer russischen Zeitung zufolge den Mitarbeitern in einem seiner zwei Werke im Land eine Abfindung von bis zu sechs Monatsgehältern an, wenn sie den Autohersteller freiwillig verlassen. „Kommersant“ zitiert Angaben aus Gewerkschaftskreisen, wonach das Angebot bis zum 17. Juni gelte und an die 200 Mitarbeiter des Nischni-Nowgorod-Werks gerichtet sei. Auch die Krankenversicherungsbeiträge sollen bis Ende des Jahres übernommen werden.
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Die ukrainische Armee sprach von sieben abgewehrten russischen Angriffen im Donbass. Dabei seien 31 Kämpfer getötet und mehrere gepanzerte Fahrzeuge zerstört worden. Das russische Militär habe beim Beschuss ukrainischer Orte etwa 20 Häuser sowie zwei Schulen und eine Bahnstation zerstört. Die Angaben sind nicht unabhängig zu prüfen.
Die russische Armee bereite weitere Offensiven in Richtung der strategisch wichtigen Stadt Slowjansk vor und beschieße zivile und militärische Infrastruktur, teilte der ukrainische Generalstab mit. Aus dem Gebiet Sumy wurden Angriffe per Mörser und aus der Luft gemeldet. Dabei wurde demnach mindestens ein Zivilist verletzt.
00:01 Uhr – Stadtvertreter: Zahlreiche Leichen in Mariupol geborgen
Arbeiter haben in zerstörten Gebäuden in der ukrainischen Stadt Mariupol nach Angaben eines Mitarbeiters des Bürgermeisters in jedem zwischen 50 und 100 Leichen entdeckt. Die Leichname würden aus den Gebäuden geholt und zu Leichenhallen und Deponien gebracht, teilte Petro Andrjuschtschenko bei Telegram mit.
Nach ukrainischen Schätzungen wurden bei der wochenlangen Belagerung Mariupols durch Russland mindestens 21.000 Zivilisten getötet. Demnach wurden Hunderte Gebäude zerstört. Berichten zufolge gibt es Massengräber, in denen sich Tausende Leichen befinden. Russland hatte im Mai die vollständige Kontrolle über die Stadt übernommen.
jmi/Reuters/wolf/dpa/AFP/uex/säd/sf
quelle: welt.de

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