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"Sobald du einen Fuß nach Katar setzt, töten wir dich"

Würde Nasser Mohamed noch in seiner Heimat leben, gäbe es dieses Gespräch nicht. Doch selbst in der Ferne bekam Mohamed noch Todesdrohungen, nachdem er sich vor einigen Jahren im arabischen Ableger der britischen BBC geoutet hatte: "Leute schrieben mir: Sobald du einen Fuß in das Land setzt, töten wir dich." 100 Prozent sicher fühle er sich daher noch immer nicht, erzählt er in einem Video-Interview dem Aktivisten und Filmemacher Fabian Grischkat, 22, der das Gespräch t-online zur Verfügung gestellt hat. Er und Grischkat arbeiten zusammen, um auf die Lage queerer Menschen in Katar und anderen arabischen Ländern aufmerksam zu machen. Noch härter trifft es Muslime, die in Katar nach der Scharia bestraft werden: Sie können wegen außerehelichen Beziehungen zum Tod oder zu Peitschenhieben verurteilt werden. Aber nicht nur offizielle Strafen gefährden queere Menschen in Katar. Katar versuche alles, um ihnen das Leben so schwer wie möglich zu machen, sagt Mohamed: "Es gibt keine Beratungsstellen, keine Möglichkeit, sich medizinisch behandeln oder auf Geschlechtskrankheiten untersuchen zu lassen. Sogenannte Konversionstherapien zielen darauf ab, die sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität eines Menschen zu verändern oder zu unterdrücken. In Deutschland ist die Konversionstherapie seit 2020 verboten, sofern sich nicht jemand freiwillig für sie entscheidet. In dem Bericht von Human Rights Watch heißt es, dass diese "Therapien" in Katar vielseitig auslegt würden: Für transgeschlechtliche Menschen sei es eine "medizinische Therapie", schwule Männer würden dagegen oft religiös unter Druck gesetzt und lesbische Frauen zwangsverheiratet. Wegen dieser extremen Verfolgung träfen sich queere Menschen hauptsächlich im Untergrund, erzählt Nasser Mohamed. Denn Undercover-Polizisten könnten sich als queer ausgeben und große Treffen infiltrieren, um so Kontakt zu anderen queeren Menschen zu bekommen. Queeren Menschen in Katar zu helfen, sei schwierig bis gar nicht möglich, erzählt Mohamed. Die NGO dokumentiert Berichte von queeren Menschen über ihre Lebensumstände und wie sie verfolgt werden – nicht nur in Katar, sondern auch in allen anderen Golfstaaten. Die Konten der Alwan Foundation befinden sich nicht in Katar, das wäre zu gefährlich, sondern in den Vereinigten Staaten. Wichtig sei für Alwan deshalb die Unterstützung von außen – auch aus Deutschland, sagt Aktivist Fabian Grischkat. Das deutsche WM-Spiel gegen Japan hat Grischkat deshalb nicht vor dem Fernseher verfolgt, sondern ein Spendenevent für Nasser Mohameds Alwan Foundation organisiert, das live auf Instagram übertragen wurde. Nasser Mohamed glaubt nicht, dass sich durch die Weltmeisterschaft in Katar etwas für die queere Community dort ändern kann – im Gegenteil: "Während deutsche Schwule in Katar sicher sind, werden queere Kataris noch weiter isoliert."


 
 
 

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